Tiefstes Mittelalter in Braunschweig
31. Juli 2008
Am Sonntag, dem 20. Juli, war es wieder soweit: mittelalterlicher Markt in Braunschweig vor der traumhaften Kulisse des Burgplatzes mit dem Braunschweiger Löwen in seiner Mitte, im Schatten des gewaltigen Domes, erbaut vom legendären Heinrich dem Löwen. Der Burgplatz als Zentrum allen Handelns und Strebens der Menschen der historischen Löwenstadt. So wird das Mittelalter wieder lebendig: Mehr als 140 Akteure verwandelten den Burgplatz in eine Welt aus längst vergangener Zeit. Und ich mittendrin.
Der 23. Mittelalterliche Markt lud also ein zur Zeitreise. Der Eintritt betrug vier Euro, Kinder unter Schwertmaß (1,38m) hatten freien Eintritt. Handwerksmeister, Gaukler, Musikanten, Vaganten, Rittersleut und Henker versetzten die Besucher zurück ins Mittelalter. So kündigte sich das historische Spektakel selbst an: “Burg Dankwarderode hat wieder gern gesehene Gäst, wenn auch zungewohnter Zit. Von fern schon grüßen der Ritter bunte Zelte. Die Handwerksmeister und Meisterinnen gehen ihrem Gewerke nach, Schankwirte lassen kühles Nass in Strömen fließen und die Garköch verwöhnen Euren Gaumen mit feinsten Spezereien denn Markt und Festtag sull wiederum gehalten sein.” Na, das läßt doch die Erwartungen in die Höhe treiben! Ein Blick ins Programm (PDF): Der Markt begann mit dem Signum, es folgte die feierliche Markteröffnung, der Tanz der Marktleute, das Turney der Kindelein, der Totentanz, der grandiose Gaukelgipfel, die Pest, des Henkers Meisterstück, das Glücksrad, der Ruf der Nachtwächter, Musenkuss und Schluss.

Nachdem ich meinen Obulus geleistet hatte, um den bunten mittelalterlichen Markt betreten zu dürfen (ich überschreite knapp das Schwertmaß), roch ich schon das frische Brot, das aus den dampfenden Öfen direkt am Eingang gezogen wurde, dazu die vielen weiteren exotischen Leckereinen, die an den Ständen feil geboten wurden. Süffiges Met wurde aus festen Tonkrügen genossen, richtig zünftig. Wie es sein sollte. So schritt ich denn über den Markt und bewunderte die Schausteller in ihren bunten Kostümen.


Stand reihte sich an Stand, mittelalterliche Handwerkskunst zum Anschauen und Kaufen. Viele dunkle Gestalten reihten sich unter die Besucher. Freunde der Gothic-Szene lieben das Mittelalter und Mittelalter-Musik. Mitunter war nicht immer klar zu erkennen, wer Schausteller und wer Besucher war. Auch eine sehr authentisch wirkende Bettlerin schlurfte durch das Publikum, um den ein oder anderen Taler für eine warme Mahlzeit zu erschnorren. Sie sagte auch immer brav ihr Sprüchlein auf. Damals hatten die Bettler noch Manieren.
Ein bedrohlich wirkender Galgen war am Rande der Burg aufgebaut, doch an diesem Wochenende mußte niemand den Strick fürchten. Doch vielleicht den Pranger. Die gab es nämlich an jeder Ecke und waren als Fotomotiv sehr beliebt. Welche Ehefrau oder -Mann träumt nicht manchmal insgeheim davon, seinen Partner an eben diesen gestellt zu sehen! Zudem schlich Grause Rüdiger der Henker mit seinem scharf gewetzten Hackebeil durchs Publikum und beäugte sein nächstes Opfer. Niemals habe ich jemanden mit finsterem Blick gesehen!

Doch eigentlich ging es auf dem Burgplatz sehr lustig zu. Der Schmied hämmerte fortwährend auf seinem Stück glühenden Stahl, seine zwei jungen Gesellen taten es ihm konzentriert nach. Die Kinder angelten mit einem Speer nach aufgehängten Ringen, während sie auf einem am Seil gezogenen Holzpferd saßen. Allerhand weiße Spitzzelte wackerer Rittersleut waren aneinander gereiht und gewährten den neugierigen Besucher hinreichend Einblick in das Leben früherer Zeiten. Schwerter und Wappen waren im Inneren aufbewahrt, weiche Betten sorgten für Gemütlichkeit. Was muß das doch aufregend gewesen sein damals!
An der Nordseite des Burgplatzes, wo sich ein schönes Fachwerkhaus an das nächste reiht, befindet sich der Durchgang zum Innenhof der Braunschweiger Handwerkskammer. Dort waren das Zelt des Medicus und der Handleserin aufgestellt, welche an diesem Wochenende alle Hände voll zu tun hatte. Auf einem hölzernen Podest stand ein buntes Glücksrad, das von einem noch bunter gekleideten Gaukler in Bewegung versetzt wurde. Zu gewinnen gab es kleine Holzschwerter und Zauberstäbe, mit welchem der Gaukler einen Besucher in einen Hund verwandelte, welcher daraufhin bellte. Ich schwöre!

Direkt vor der Burg befand sich die große Bühne, auf der die Gruppe Krless mittelalterliche Klänge ertönen ließ, zu denen das bunte Volk fröhlich tanzte. Ungewöhnliche Klänge, aber doch schön anzuhören. Es geht auch etwas ruhiger und weniger laut. Von den heiteren Melodien beschwingt, schritt ich erst einmal Richtung Ausgang und holte mir einen Stempel ab, um später den Markt ein weiteres Mal betreten zu dürfen. Ich wollte nämlich der persönlichen Führung Gerd Biegels durch sein Landesmuseum beiwohnen und die Uniform des Schwarzen Herzogs bewundern, deren Einschußlöcher durch den Orden verdeckt waren.
Als ich zurückkehrte, spielte gerade die Dudelsack-Truppe Fabula auf, es war nicht zu überhören. Der rasante Rhythmus der Trommeln und das eindringliche Gejaule der Dudelsäcke brachte die Masse zum Toben. Lauter schwarze Gestalten tanzten sich vor der Bühne in Ekstase, selbst Stage-Diving durfte hier nicht fehlen. Mittelalter-Hardrock vom Feinsten! Auch damals wußte man schon zu Feiern. Die drei Jungs von Fabula heizten die Menge mit ihren freien, schwitzenden Oberkörpern gehörig ein.

Am späten Nachmittag dann wurde auf der Bühne vor der Burg die Fanfare geblasen, auf äußerst witzige Art und Weise. Der Fanfarenbläser war zudem ein ausgezeichneter Jongleur, der in wildester Akrobatik seine knallroten Bälle in die Höhe schleuderte und zielsicher wieder auffing, während die Gruppe Krless ihn musikalisch beleitete. Der Henker durfte die Geschichte vom Scharfrichter von Braunschweig erzählen, der sich einst gegen seine beiden Mitbewerber durchsetzte, indem er seine Kunst an ihnen ausprobierte. So hatte die Stadt Braunschweig keine andere Wahl, als ihn zu nehmen.

Und zum Schluß durfte ich noch einem echten Wunder beiwohnen. Ein wuchtiger Koloß betrat mit schwerem Schritt die Bühne und kündigte an, die heilige Jungfrau Maria erscheinen zu lassen, wenn er es dann schaffen sollte, sich selbst ausreichend in Ekstase zu versetzen. Die Gruppe Krless ließ ihre Musik ertönen, die bald immer schneller und lauter wurde. Der Koloß begann mit sanften Hüftschwüngen, die sich schnell in ruckhafte Bewegungen verwandelten, bis er auf der hölzernen Bühne so kraftvoll auf und ab sprang, daß mir angst und bange wurde, sie könnte bald einstürzen. Währenddessen begann sich der Koloß nach und nach zu entkleiden. Schließlich kauerte er auf dem Boden und wackelte mit seinem gewaltigen Hintern in Richtung des Publikums, um sodann zum Kopfstand anzusetzen. Als ihm dieser gelang, rutschte sein Hemd herunter - und allen erschien die heilige Jungfrau Maria, wie unschwer auf dem neben stehenden Beweisfoto zu erkennen ist! Nach diesem unvergeßlichen Erlebnis begab ich mich lieber auf den Heimweg, denn das mußte ich erst einmal verdauen.
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Am Sonntag, den 20. Juli, nahm ich an einer Museumsführung der ganz besonderen Art Teil. Der honorige 

Das wollte ich schon immer mal machen, mit dem Rad von Braunschweig nach Hannover fahren. Nun habe ich mir eine detailierte Radwander-Karte aus dem Internet gefischt und machte mich auf den Weg. Pünktlich zum Start der diesjährigen Tour de France, wo die Fahrer allerdings 198 Kilometer zurück legen durften, radelte ich an einem sonnigen Samstag Morgen los und begnügte mich mit läppischen 80 Kilometern. Ich begann um elf Uhr und endete pünktlich um 18 Uhr nach einer gemütlichen Spazierfahrt zum Junggesellenabschied eines guten Freundes in Langenhagen-Kaltenweide.













