Radauer Wasserfall ist abgebrannt

ortsschild_bad_harzburg.pngNein, natürlich nicht. So ein Wasserfall kann doch gar nicht brennen. Wohl aber die Gaststätte von nebenan. So geschen im Sommer vor zwei Jahren am Radauer Wasserfall vor den Toren von Bad Harzburg. Ist zwar schon´ne Weile her, aber ich erzähl´s trotzdem. Damals bin ich nach vielen Jahren das erste Mal wieder dort gewesen. Noch vor dem Brand. Und da ich diesen Ort als sehr eigentümlich in Erinerung hatte, wollte ich mir doch mal ansehen, ob dem wirklich noch so ist. Als Kind können einem ja die normalsten Dinge von der Welt sehr unheimlich vorkommen. Und tatsächlich: Da ist immer noch die kleine Parkeisenbahn vor der Gaststätte, das seltsame Donald-Duck-Karussel, der Pilz-Kiosk und lauter dumme Hühner, die dort rumwuseln. Alles noch so urig wie immer. Und der Wasserfall durchaus imposant.


Gaststaette_Radau_6.jpg Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die erste Staatliche Eisenbahn in Deutschland zwischen Wolfenbüttel und Bad Harzburg gebaut. Um die Leute dorthin zu locken, gibt es rund um Bad Harzburg viele Wanderwege und Gaststätten. Der 23m hohe Radau-Wasserfall stammt aus jener Zeit. Zwei Jahre wurde gebaut und angelegt, damit ab 1859 Harzburger Gäste einen “echten” Wasserfall bestaunen konnten. Die Anfänge dieses Hauses lagen in einem sehr viel größeren Kaffeegarten mit Erfrischungen nur zur Sommerzeit. Damals gab es noch keine Straße nach Torfhaus bzw. Braunlage. Ein breiter Fahrweg mit Kutschbetrieb und der Philosophenweg für Wanderer brachten die Gäste aus Bad Harzburg bis hierher und auch wieder zurück.

Gaststaette_Radau_2.jpgGaststaette_Radau_1.jpgSkulptur_Radau.jpg Den Fremdenverkehr und die vielen Stauseen haben die Harzer wohl seit jeher als Fremdprojekte empfunden, da sie weitgehend im entfernten Herzogtum Braunschweig geplant und umgesetzt wurden. Selbst die beiden einzigen Wasserfälle im Radautal und im Okertal wurden künstlich im Auftrag des Braunschweiger Herzogs geschaffen, was heute dazu führt, daß keine Harzer Institution gewillt ist, den langsamen Verfall dieser beliebten Sehenswürdigkeiten zu verhindern. Aktuell hat ein Hochwasser dem Radauer Wasserfall zugesetzt, so daß er zu versiegen droht, wenn die Wasserableitungsstelle an der Radau nicht saniert wird.

Radauer_wasserfall_2.jpgRadauer_wasserfall_1.jpgWohnwagen_Radau.jpgSprengarbeiten.jpg Weder die Stadt Bad Harzburg noch der Eigentümer Land Niedersachsen wollen sich für dieses Problem einsetzen. Und keiner will´s gewesen sein. Dabei sind doch Wasserfälle, gerade in unserer an geologischen Attraktionen armen Region, ein echtes Erlebnis. Schon im Rokoko wurden Wasserfälle geschaffen und naturhaft gestaltet. Bekanntestes Beispiel ist der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel mit einst sieben Wasserfällen bis über 40 Meter Höhe. Und natürlich der Harz, wo jeder kleinste Wasserfall seine eigene, manchmal verblasste, touristische Tradition hat, und die größten davon künstlich sind (Romkerhaller Wasserfall, Radaufall).

Radau_2.jpg Und da ich schreiben kann wie ein Wasserfall, merke ich hier gern noch an, daß der Radauer Wasserfall gespeist wird von der - na? Radau, richtig. Und die Radau entspringt in 800 m Höhe in der Nähe von Torfhaus, einem Ortsteil von Altenau. Sie fließt durch das Radautal und den Wasserfall nach Bad Harzburg. Nördlich von Vienenburg mündet die Radau in die Oker.

In Bad Harzburg sprudeln drei Trinkbrunnen. Sie werden im Brunnenhaus der Wandelhalle ausgegeben. Dieses Heilwasser regt die Verdauung an, insbesondere bei Darmträgheit, und fördert die Ausscheidung von Stoffwechselschlacken bei chronischen Erkrankungen im Sinne der Transmineralisation.

Dieses Wasser hilft bei Funktionsstörungen des Magens - sowohl im Sinne der Über- als auch der Unterproduktion der Magensäure, der Bauchspeicheldrüse, des Zwölffingerdarms und der Gallenblase. Das Wasser der im Radautal sprudelnden Schwefelquelle bessert die Zustände bei chronischen Erkrankungen, insbesondere des Gefäßsystems und der Gelenke und bei Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Ekzeme, Allergie). Ok, das war´s. Genug geschwafelt.

Radauer_wasserfall_3.jpg Nun aber endlich wieder zum Thema. Einige Monate später bin ich wieder am Radauer Wasserfall vorbeikommen, als ich von Bad Harzburg aus mit dem Bus zum Torfhaus wollte. Schließlich soll der Goethe ja auch da gewesen sein. Auf dem Wege sah ich dann linkerhand das abgebrannte Gebäude der Radauer Gaststätte und war baff erstaunt. Ich war doch gerade erst da! Wie konnte das nur passieren? Da war ein Typ im Bus, der hatte schätzungsweise zehn Hunde um sich herum, und er roch auch nicht besonders. Aber aufmerksam war. Er merkte nämlich, wie erstaunt ich beim Anblick der zerstörten Gaststätte war. Da er offensichtlich ein ausgesprochen redseliger Mensch war, berichtete er mir sogleich von dem Vorfall. Da dieser Monolog schon zwei Jahre zurückliegt, kann ich mich an keine Details mehr erinnern. Aber er sprach vom Gerücht der Brandstiftung, das hört man ja immer gerne. Ist ja so spanndend! Hatten die Gastwirte irgendwelche Feinde? Ich habe keine Ahnung. Und auch Google, das mir auf meinen Fahndungen sonst immer sehr behilflich ist, konnte mir in diesem brenzligen Fall leider keine Auskunft geben. Wenn das hier zufällig jemand liest: Was wissen Sie über den Brand am Radauer Wasserfall? Und wo waren Sie zum fraglichen Zeitpunkt?

Kleiner Scherz. Auf der Website der Gaststätte sind diesbezüglich jedenfalls keine Informatonen zu finden. Vielleicht geht´s denen ja wieder gut und der Laden läuft. Das hoffe ich doch sehr. Alles, was ich fand, war diese Veranstaltung auf der Bad Harzburger Website:

Polizeiabsperrung_Radau.jpgGaststaette_Radau_5.jpgGaststaette_Radau_8.jpgGaststaette_Radau_9.jpg “Bad Harzburger Krimitouren – ein Vergnügen mit Nervenkitzel! Wer verschmutzte den Fluss Radau mit Schmieröl? War die tote Geliebte Teil eines Mordplanes? Wo versteckt sich der bekannteste Meisterdieb der Stadt? Entdecken Sie Bad Harzburg auf neue Art und Weise. Finden Sie unter sachkundiger Führung verdächtige Spuren, werten Sie mit Ihren Kindern Indizien aus und überführen Sie die Ganoven. Hier sind Spürsinn und Teamgeist gefragt!”

Dabei erfuhr ich, daß der Zeichner und Erfinder von Nick Knatterton, dem berühmten Super-Detektiv, aus Bad Harzburg stammt: Manfred Schmidt. Das war dann doch noch eine interessante Entdeckung für mich. Kombiniere, dieser Bericht ist nun zu Ende. Völlig unspektakulär, leider.

Links zum Radauer Wasserfall:

Waldgaststätte Radau-Wasserfall
Nick Knatterton in Wikipedia
Harz-Blick, vierteljährliches Magazin für Gäste im Harz
(Informationen zum aktuellen Stand vom Radaue Wasserfall
in der Ausgabe 75/2006)

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Ein Kommentar für “Radauer Wasserfall ist abgebrannt”

  1. Als ehemaliger Brauschweiger und Harzburger: schöne Seite, ich bin begeistert. Aber ‘Radauer Wasserfall’ ist wie ‘Kölnerisches Wasser’, das quietscht richtig im Ohr. Besser und richtiger ist ‘Radau Wasserfall’. So freut sich das Ohr. Sachen gibt’s…

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