Schnelldurchlauf in Cremlingen

ortsschild_cremlingen.pngNach Cremlingen, Landkreis Wolfenbüttel, ging´s vom Schöppenstedter Turm aus bei Riddagshausen 3km in östlicher Richtung. Hinter Klein Schöpenstedt beginnt so langsam der Elm. Es war ein wunderbar sonniger Sonntagnachmittag, und ich wollte unbedingt noch ein paar knackige Dorf-Fotos machen. Also ließ ich mich mit dem Auto nach Cremlingen chauffieren und fotografierte - die Kirche. Und ein paar weitere dörfliche Impressionen. Ich kannte Cremlingen vorher nicht, konnte an besagtem Nachmittag dort auch nichts wirklich Interessantes finden, aufregende Dinge sind mir auch nicht widerfahren. Aber wie gesagt, ein paar nette Fotos sind in der Ausbeute.


Zum ersten Eindruck: Am Ortseingang präsentiert sich ein Autohaus und ein Fitness-Studio (wenn man auf dem Dorf sonst nichts zu tun hat, dann trainiert man sich halt Muckis an) und am Ortsende ein Supermarkt. Dazwischen Siedlung, Gaststätte, Kirche und einige hübsche Bauernhäuser, Gänse. Wie das halt so ist auf dem Dorf.

Cremlingen_1.jpg Der Ort ist aus zwei Gemeinden zusammengewachsen, der Dorfgemeinde mit 65 Häusern und der Gutsgemeinde mit 7 Häusern. Die Endung ~ingen zeigt an, dass der Name bis etwa 500 entstanden ist. Die Siedlungsgeschichte ist allerdings weit älter, wie ein Urnengräberfeld am Ehlerberge, südwestlich des Ortes, belegt. Habe ich auch nicht gesehen. Im Jahre 1302 wird Cremlingen als “Cremlinge” überliefert, während es im 14. Jahrhundert urkundlich als “Cremninge” vorkommt. Vorteilhaft für Cremlingens Entwicklung war die Lage an der alten Handelsstraße, die im Mittelalter von Köln über Braunschweig nach Magdeburg führte. Hier wurde hauptsächlich mit Getreide gehandelt, welches auch auf den Äckern Cremlingens angebaut wurde. Von der hiesigen Getreidewirtschaft profitierten besonders die Herren von Veltheim und das Kloster Riddagshausen, das 1308 zwei zehntfrei Hufen und eine Wort (Hof) erhielt. Dazu kam später Land derer von Veltheim, herzogliche Lehen. Land wurde auch vom Halberstädter Bischof als Lehen übertragen worden, auf dessen Diözesangebiet Cremlingen lag.


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Aber einige Besonderheiten hat Cremlingen dann doch zu bieten, dich ich beim schnellen Durchlaufen aber nicht bemerkt habe:

Cremlingen_2.jpgCremlingen_12.jpgCremlingen_11.jpg Kurz nach der Jahrhundertwende stieß die Mitteldeutsche Erdölbohrgemeinschaft in 410 Meter Tiefe auf eine Thermalquelle mit 34° warmem Wasser. Die Heilkraft wurde in der Presse ausgiebig diskutiert und es kam der Traum von einem Heilbad auf. In den dreißiger Jahren versuchte der Cremlinger Arzt Ernst Matheis den Badebetrieb zu organisieren - Pläne, die der Zweite Weltkrieg durchkreuzte. Vergeblich versuchte man später, die Quelle mit Sand abzudichten: Noch heute sprudeln stündlich etwa 7600 Liter ungenutzt in die Landschaft. Inzwischen hat die Naturschutzbehörde das Gebiet zum schützenswerten Biotop erklärt. Massive Einschnitte in die Landschaft ergaben sich mit dem Bau der “Weddeler Schleife”, der Autobahn A 39 und der Umgehungsstraße.

Cremlingen_9.jpgCremlingen_6.jpgCremlingen_5.jpg Nächste Besonderheit sind die fossilienhaltigen Gesteine in der Umgebung Cremlingens. Der Ammonit im Wappen weist darauf hin. Als im Zuge des Autobahn-Neubaus Erdarbeiten stattfanden, entdeckte ein Sammler im Mai 2005 ein großes prähistorisches Skelett aus dem Mesozoikum, das sich als gut erhaltener Ichthyosaurus (Fischsaurier) herausstellte. Könnte man nicht eine Skelett-Skulptur ins Dorf stellen? Das wär´doch mal eine Attraktion!

Cremlingen_7.jpgCremlingen_4.jpgCremlingen_8.jpg Weiterhin ist Cremlingen Standort des Mittelwellensenders Braunschweig des Deutschlandfunks, der auch gelegentlich als Sender Königslutter bezeichnet wird. Der ist aber ziemlich weit vom Dorf entfernt, so daß ich ihn nicht zu sehen bekommen habe. Von 1978 bis 2001 diente der 137 Meter hohe Antennenmast als Reserveantenne. Zu neuer Nutzung kam diese Einrichtung ab 2001. Auf der ehemals vom NDR betriebenen und zurückgegebenen Frequenz 630 kHz wurde über diesen Masten das Programm vom inzwischen pleite gegangenen Privatsender Mega-Radio ausgestrahlt. Der Betrieb des Senders wurde 2003 nach dem Rückzug von Mega-Radio vorübergehend wieder eingestellt. Seit dem 1. April 2005 wird über den 137 Meter Sendemast die Stimme Russlands (Voice of Russia) ebenfalls auf der Frequenz 630 kHz gesendet. Programm in Russisch, Englisch und Deutsch.

Um beim Kulturellen zu bleiben, erwähne ich hier noch die mehr als 500 Mitglieder der Gemeinde Cremlingen, die an einem CD-Projekt namens “Wie klingt Cremlingen?” teilnehmen. In mehreren Dörfern der Gemeinde gibt es neben den traditionellen Chören mehrere Chöre, die sich moderner Musik verschrieben haben.

Cremlingen_18.jpgCremlingen_17.jpgCremlingen_16.jpg Also, das ist doch schon mal allerhand! Und ich habe nichts von alldem bemerkt. Das mußte mir erst hinterher Wikipedia erzählen. Ich war halt nur auf hübsche Häuser scharf. Jedenfalls, wie ich auf den Seiten Cremlingens erfahre, soll es dort auch sehr schön zum (Rad-)Wandern sein, das werde ich vielleicht bei Gelegenheit mal nachholen.

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