Freilichtmuseum Mascherode

ortsschild_mascherode.pngNatürlich ist Mascherode kein Freilichtmuseum, aber ich neige halt gerne zu Übertreibungen. Jedenfalls findet der geneigte Besucher in der alten, geschwungenen Dorfstraße das ein oder andere Hinweisschild mit Erläuterungen zu Kirche, Gedenkstein und Wasserpumpe. Außerdem sind die alten Häuser ganz hübsch zurecht gemacht. Wie in einem Museum halt. Und dann noch die Kunst. Aber dazu gleich.


Am Samstag also war es wieder soweit: meine wöchentliche Tour durchs Harz- und Heideland stand an. Das Wetter wird schlechter, die Tage kürzer, also sind meine Reisen auch kürzer und ich komme kaum über die Stadtgrenzen hinaus. Man möge mir verzeihen. Immerhin schaffte ich es bis nach Salzdahlum, und das ist schon Wolfenbüttel. Zurück bin ich dann über Mascherode. Darüber schreibe ich hier.

Mascherode_1.jpg Es wurde schon leicht dämmrig, feiner Nebel setzte ein. Ein bißchen fußmüde war ich bereits, und ich wollte unbedingt um 17 Uhr zu Hause sein, Fußball gucken. Viel Zeit hatte ich also nicht, wollte nur eine kurze Stippvisite wagen. Daß ich später dann doch nicht pünktlich vorm Fernseher saß, sehe ich im Nachhinein als glückliche Fügung, denn auf Katastrophenfußball kann ich gut verzichten. Falsches Thema.

Obwohl ich nun schon seit Ewigkeiten in Braunschweig lebe, in Mascherode war ich noch nie. Vielleicht mal durchgefahren. Dabei ist Mascherode nur unweit vom Heidberg entfernt, und den wiederum kenne ich ganz gut. In Mascherode war gerade große Baustellen-Party angesagt. Ich war froh, den Weg über die unheilvolle Landstraße von Salzdahlum lebendig überstanden zu haben, da mußte ich mich schon wieder über gefahrvolles Terrain bewegen.


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Mascherode_3.jpg Als ich die letzte Barriere überwunden hatte, stand ich vor dem Mascheroder Bürgerhaus, dessen eine Fassade mit buntesten, surrealistischen und ein wenig morbide wirkenden Motiven bemalt war. Mensch, dachte ich mir, die Mascheroder trauen sich was! Dann, kurz vor dem Eingang zum alten Dorfkern, erblickte ich eine weitere bemalte Fassade, mit der schriftlichen Erklärung, daß 1995 Schüler des Raabe-Gymnasium im Rahmen eines Projektes diese großformatigen Bilder gemalt hatten. Aber irgendwie paßt das schon ganz gut zu Mascherode, schließlich gibt es hier auch die Mascheroder Karnevalgesellschaft. Auf ihrer Website schreiben sie: “Mascherode ist ein eingemeindeter Vorort der Karnevalshochburg Braunschweig. Oder wie es die Mascheroder Narren gerne sehen: Braunschweig bei Mascherode.”

Mascherode_11.jpg Das Stück Hauptstraße, das ich gegangen war, sah so aus wie jede Durchgangsstraße in jedem beliebigen kleinen Ort. Völlig austauschbar und ohne Reize, das Bürgerhaus mal ausgenommen. Auf einer Info-Karte an der Straße erfuhr ich, wo sich der alte Dorfkern befand. Wenn es in Mascherode irgend etwas zu sehen gab, dann hier.

Mascherode_4.jpg Als ich um die Ecke bog, entdeckte ich schon das erste Hinweisschild. Neben dem Eingang eines alten Gutshofes befand sich ein kleiner Gedenkstein zum Besuch des neuen Herzogs Ernst-August im Jahr 1913. Nach Jahrzehnten preußischer Interims-Regierung waren die Braunschweiger stolz darauf, endlich wieder einen Welfen als Landesvater zu haben, auch wenn es nur ein hannoveranischer war. Die Menschen standen festlich gekleidet auf den Straßen und winkten dem Herzog zu. Schulkinder sangen und Meta Hoffmann aus der gleichnamigen Bäckerei gegenüber sagte ein Gedicht auf. Für so ein kleines Dorf muß das ein Großereignis gewesen sein. Zur Erinnerung wurde die Herzogseiche gepflanzt, die jedoch in den Sechzigern aus verkehrstechnischen Gründen weichen mußte.

Mascherode_7.jpgMascherode_6.jpg Ein paar Meter weiter stand die Kirche mit einem großen Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege. Das finden wir in jedem Dorf. Aber hier klärte mich das kleine Hinweisschild auf, daß jedes Jahr zum Volkstrauertag die Jugendlichen des Dorfes einzelne Lebensläufe der Gefallenen im Gottesdienst vorlesen, um die Erinnerung an sie wach zu halten. Hinter dem Knick der alten Dorfstraße fand ich noch die alte Wasserpumpe, die, wir mir das Infoschild erklärte, noch bis 1955 in Betrieb war, bis Mascherode endlich ans Wassernetz Braunschweigs angeschlossen wurde. Und um mich mit noch mehr Informationen zu versorgen, hat auch die Stadt eine Informationstafel auf die Straße gestellt, wie sie selbst im kleinsten Dorf Braunschweigs zu finden ist. Übrigens plünderte Cort von Steyeberghe 1381 mit seinen Leuten Mascherode vollständig aus. Vier Wochen später ließ Herzog Otto, der wieder gegen Braunschweig zog, Mascherode abbrennen. Hier war ganz schön was los! Das stand zwar nicht auf der Tafel, ist aber immer noch interessanter als die Tatsache, daß Truchseß Gunzelin von Wolfenbüttel und dessen Sohn Ekbert einen Streit zwischen dem Kloster Riddagshausen und Albert von Ahlum über Güter in Mascherode beigelegt haben. Ok, ich höre schon auf.

Mascherode_9.jpgMascherode_8.jpgMascherode_12.jpg Da mein Informationsbedürfnis über Mascherode für´s Erste gedeckt war, machte ich mich in Richtung Heidberg auf. Kurz vor dem Ortsende hielt ein Wagen neben mir, und die Beifahrerin fragte mich nach dem Weg zum Sportplatz. Ich äußerte mein Bedauern und erklärte, daß ich mich in Mascherode überhaupt nicht auskenne, aber zum Sportsplatz ging es noch ein Stückchen geradeaus. Als ich gemerkt hatte, wie unsinnig das klang, schob ich noch erklärend hinterher, daß ich gerade an einer Übersichtskarte vorbeigelaufen war und ich deshalb eine ungefähre Vorstellung davon hatte, wo sich der Sportplatz befinden müsse. Die Dame bedankte sich, kurbelte das Fenster hoch, der Wagen wendete und fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Die beiden müssen mich wohl für verrückt erklärt haben und suchten sich jemand anderen.

Mascherode_13.jpg Als ich dann die Landstraße entlangspazierte, streckte sich mir schließlich zur Rechten der Mascheroder Sportplatz entgegen. Ich hatte recht gehabt! Aber wer nicht auf mich hören will… Bald darauf ging ich nach links in Richtung des Heidbergsees und war praktisch schon fast zu Hause, wo ich es mir gemütlich machte. Nur Fußball habe ich an dem Tag nicht mehr gesehen.

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