Friedhof der Reformierten Gemeinde

ortsschild_friedhof_refgem.pngHer geht es um den Friedhof der Reformierten Gemeinde in Braunschweig. Nie gehört? Dieser Friedhof ist ein stillgelegter, lange Zeit verwilderter Friedhof, bis er mit Hilfe der Borek-Stiftung im Jahre 2004 saniert wurde. Er befindet sich im Westlichen Ringgebiet an der Ecke Broitzemer Straße / Juliusstraße. Als ich am Wochenende die Goslarsche Straße entlang spaziert bin, kam ich an diesem Friedhof vorbei und dachte mir, da könnte man doch eine Serie draus machen. Alle Friedhöfe Braunschweigs vorstellen. Welche Promis liegen dort begraben?


Friedhof_refGem_1.jpg Friedhöfe sind ja auch ganz interessant. Ich lauf da gerne mal rum und schaue mir alte Grabsteine an. Besonders die, an denen bereits der Zahn der Zeit genagt hat. Ist schon eine besondere Stimmung auf einem Friedhof. Besonders nachts. Nein. Kleiner Witz. Ich laufe natürlich nicht nachts über einsame Friedhöfe. Das machen andere besser. Ich lese auch ganz gerne die Inschriften. Wer waren diese Menschen? Manchmal stehen auch die Berufsbezeichnungen auf den Grabsteinen, dann weiß ich: ah, hier liegt ein Förster, ein Ingenieur, ein Professer. Und dann lese ich den Namen. Man sieht nur den kalten Grabstein und stellt sich trotzdem eine Persönlichkeit vor. Zugegeben, da gehört eine Portion Phantasie dazu.

Friedhof_refGem_7.jpgFriedhof_refGem_4.jpg So ein Friedhof ist ja auch eine Art Museum. An jeder Ecke kleine Kunstwerke. Der unter Denkmalschutz stehende Friedhof der Reformierten Gemeinde wurde 1749 angelegt, umfasst ca. 6700 m² und ist heute einer der ältesten noch erhaltenen Begräbnisstätten in Braunschweig. Im Jahre 1749 schenkte Herzog Karl I. von Braunschweig der Reformierten Gemeinde ein Stück Land vor den Toren der Stadt zur Anlage eines eigenen Friedhofs. Der Friedhof wurde erweitert und bekam eine eigene Kapelle. Der Friedhof wurde bis 1979 genutzt, denn die Kosten für die Aufrechterhaltung waren aufgrund wiederholten Vandalismus zu hoch. 1985 wurden 500 m² an den angrenzenden Kindergarten abgetreten. Eine etwas seltsame Wahl, einen Kindergarten in die Nähe eines Friedhofes zu setzen. Werden und Vergehen ganz nahe zusammen. Doch allmählich verwilderte der Friedhof. Die Kosten für die Sanierung 2004 in Höhe von 100.000 Euro trugen die Stadt Braunschweig, die Richard-Borek-Stiftung sowie die Reformierte Gemeinde Braunschweig. Das Gelände wurde auf Grundlage der historischen Struktur behutsam saniert, wobei einige Grabstellen umgebettet werden mussten und hat nun einen gewissen Park-Charakter.


Größere Kartenansicht

Friedhof_refGem_8.jpgFriedhof_refGem_9.jpg Was heißt denn eigentlich reformiert? Mit dem Beginn der Reformation 1517 durch Luther in Wittenberg und 1541 durch Calvin in Genf waren die Kirchen erneuert = “reformiert”. Die Kirche, die erneuert ist, muß sich immer wieder erneuern lassen. Calvin sah in der Erneuerung der bestehenden Kirche das Ziel, die Kirche “von tödlichen Krankheiten zu reinigen”. Tödlich für die Kirche war ihre innere und äußere Loslösung vom Wort Gottes als einziger Autorität. Nach Luthers Tod galt Calvin als der Sprecher der Evangelischen, und “reformiert” war sinnverwandtes Wort für “evangelisch”. Erst nachdem die eng an Luthers Lehre gebundenen Gemeinden sich “lutherisch” nannten, taucht der Ausdruck “reformiert” als Konfessionsbezeichnung auf. Auf reformiert-info finde ich das Zitat: “Zum Glauben gehört auch das Wissen.”

Friedhof_refGem_2.jpgFriedhof_refGem_10.jpg Wer liegt denn hier so alles? Da ist zum einen Johann Heinrich Blasius (1809-1870), Zoologe. Dann wäre da noch zu nennen Rudolf Heinrich Paul Blasius (1842-1907), Arzt. Und dann noch Wilhelm August Heinrich Blasius (1845-1912), Direktor des Botanischen Gartens, Leiter des Naturhistorischen Museums und Landtagsabgeordneter in Braunschweig. Ebenfalls liegt dort begraben Paul Jonas Meier (1857-1946), Direktor des Herzog-Anton-Ulrich-Museums. Dann war da noch Hugo du Roi (1839 - 1911), Begründer der deutschen und östereichisch-ungarischen Geflügelzüchtervereinigung. Und nicht zu vergessen Carl Rautmann (1818-1895), Geigenbauer. Ab 1846 reparierte Rautmann die Bässe des Herzoglichen Hoftheaters sowie die privaten Streichinstrumente der Hofkapelle. Er gilt als einer der Pioniere der „modernen Geigenform”. Seine Geigenbauerwerkstatt existiert heute noch und wird in der fünften Generation von Elfi Rautmann fortgeführt und ist damit die älteste Geigenbauwerkstatt Deutschlands.

Friedhof_refGem_3.jpgEs steht allerdings zu befürchten, dass das Familienunternehmen mit Elfie Rautmann, der ersten Frau an der Unternehmensspitze, wahrscheinlich erlöschen wird, da es in der Familie keinen Nachfolger für die Fortführung dieses Handwerks zu geben scheint und somit eine über 160-jährige Familien- und Unternehmenstradition ihr Ende finden könnte. Auf dem Friedhof befinden sich auch sechs Kriegsgräber aus dem Zweiten Weltkrieg. Architektonisch bemerkenswert sind das Mausoleum der Familie Heinicke aus dem Jahre 1880 sowie ein aufwändiges Grabmal einer unbekannten Person.

Suchen Sie Postkarten Ihres Orts? Dann lesen sie hier!
Benötigt die Websites Ihres Ortes, Vereins oder Unternehmens einen neuen Anstrich? Dann lesen Sie hier!
Möchten Sie ihr Unternehmen auf harz-und-heideland.de vorstellen? Dann lesen Sie hier!

ähnliche Reportagen

Tags: , , , , , ,

Einen Kommentar schreiben