Die Harzburg

ortsschild_bad_harzburg.pngBad Harzburg ist auch ganz schön. Da kann man schön Wandern. Und Seilbahn fahren. Das ist nichts Neues? Richtig. Was läßt sich schon groß über Bad Harzburg sagen? Nun, die zuständigen Touristik-Experten hätten da bestimmt eine ganze Menge zu sagen. Aber ich bin ja kein Touristik-Experte. Ich bin nur manchmal auf Tour. Die Bad Harzburg-Tour ist aber auch schon wieder zwei Jahre her. Also Warnung: Dies ist ein recycelter Artikel! Aber das stört mich nicht. Dem werten Leser hoffentlich auch nicht. Und zur Wiedergutmachung gibt´s einen historischen Bildschirmschoner von Bad Harzburg.


Bad_Harzburg_13.jpg Also, es war ein schöner Sommertag im Jahr 2005 und ich fuhr mit meinem Kumpel Falk von der 43 mit dem Regionalexpress von Braunschweig aus über irgendein Salzgitter mit Umsteige nach Bad Harzburg. Eine Fahrt dauert weniger als eine Stunde. Ruck zuck ist man im Harz! Da, wo die Berge sind. Ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man immer nur das Flachland gewohnt ist und auf einmal von oben runtergucken kann.

Am Bad Harzburger Bahnhof angekommen, bewunderten wir das lichtdurchflutete Mosaik-Fenster des Bahnhofgebäudes und traten auf den Vorplatz. Dort begrüßte uns zur Linken ein Döner-Laden. Ich glaube, in Bad Harzburg gibt´s nicht ein einziges McDonalds! Jeder kleine Ort, der auch nur die winzigste Sehenswürdigkeit zu bieten hat, kann mit einem McD aufwarten, warum Bad Harzburg nicht?

Bad_Harzburg_2.jpgBad_Harzburg_12.jpg Weil hier nur alte Menschen wohnen. Und die essen keinen Cheeseburger Ist wahr! Bad Harzburg ist schließlich ein Kurort. Und hat eine prime Sole-Therme zum Relaxen. Hier würde ich mich auch wohlfühlen, wenn ich ins Pensionsalter käme. Aber möchte ich dann ausschließlich unter alten Menschen wohnen? Immerhin ist hier die Landschaft schön. Ich habe wohl immer die Gewohnheit, zumindest eine gemeine Sache über einen Ort zu sagen, den ich besucht habe. Ich weiß auch nicht, warum. Vielleicht, weil bei besonders schön zurecht gemachten Touristik-Orten automatisch eine gewisse Skepsis bei mir Einzug hält. Ist hier denn wirklich alles schön? Woll´n wir doch mal sehen! Es ist mir jedenfalls aufgefallen, das es sehr beschaulich und unwirklich ruhig in der Bad Harzburger Innenstadt zugeht. Und alles voller Rentner. Da wären wir auch wieder bei dem alten Vorurteil: “Im Harz Wandern kann ich, wenn ich alt bin!”
Bad_Harzburg_6.jpg Aber nochmal zur Sole-Therme: Schon vor tausend Jahren stand auf einer heidnischen Kultstätte eine große Statue, der Götze Krodo. Er galt als Gott der Ur- und Lebenselemente, Sinnbild der Gesundheit und Fruchtbarkeit. Dies war sicher die beste Grundlage für das spätere Heilbad. Und Anno 1569 war es dann soweit. Am Fuße des Berges wurde eine Solequelle entdeckt, auf der sich dann die Saline Juliushall gründete, um das Gold der damaligen Zeit zu schürfen. Der Namensgeber Herzog Julius, der seinerzeit als großer Staatsmann unter dem braunschweigisch-wolfenbüttelschen Oberhäuptern regierte (1563-1589) galt als einer der bedeutendsten Herrscher seines Fürstentums. 1820 wurde die Sole erstmals zu Solebädern verwendet. Nach der Stillegung der Saline 1851, entstand Bad Juliushall. Diesen großen Aufschwung verdankt Harzburg der Initiative des herzoglich braunschweigischen Geheimen Legationsrates Philip August von Amsberg, einem Urgroßonkel des Gemahls der Königin Beatrix der Niederlande, seines Zeichen Finanzdirektor. Auf sein Betreiben hin wurde 1837 bis 1841 Deutschlands erste Staatseisenbahn von Braunschweig über Wolfenbüttel nach Harzburg gebaut. Damit war der Aufstieg von Harzburg eingeleitet.


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Bad_Harzburg_4.jpgBad_Harzburg_7.jpgBad_Harzburg_3.jpg Zurück zur Tour: Auf dem Hinweg wollten wir vom Bahnhof zu Fuß zur Seilbahnstation und hatten uns prompt verlaufen. So standen wir dann inmitten einer gewöhnlichen Wohnsiedlung, wie es sie tausendfach überall in Deutschland gibt. Und das soll der Harz sein? Sieht ja aus wie bei uns! In Ermangelung herausragender Sehenswürdigkeiten verglichen wir dann die Müllstellplätze Bad Harzburgs mit denen Braunschweigs. Gleich drauf überquerten wir einige wenig touristik-freundliche Straßen mit viel Verkehr, bis wir endlich die Seilbahn erreichten. Wir einigten uns darauf, die Seilbahn auf dem Rückweg zu benutzen. Also gingen wir ein Stück den Berg hinauf und entdeckten den Beginn eines Mountain-Bike-Pfades. Nichts für Rentner. Das “Wellness-Wanderland” Bad Harzburg bietet übrigens einen digitalen Wanderführer an. Sehr praktisch. Anschließend passierten wir den berühmten Märchenwald, den wir aus unserer Kindheit mit lauter blinkenden Karussels und kleinen Eisenbahnen kannten. Es hupte und klingelte und rasselte, das es nur ein Vergnügen war. Wir aber weiter.
Bad_Harzburg_5.jpg Zum Radauer Wasserfall. Ungefähr zwei Kilometer Waldweg direkt an der Straße. Nicht sehr angenehm. Zur Rechten erschien bald der Steinbruch Langenberg, übrigens Fundort des Europasaurus. Über den Radauer Wasserfall schreibe ich hier nichts, das tat ich schon an dieser Stelle. Da wir noch lange nicht genug hatten, gingen wir also zur Seilbahnstation zurück und erklommen den Gipfel. Der Burgberg ist 483 Meter hoch, die Aussicht ganz prima. Es fährt übrigens auch ein Bus zur Harzburg-Ruine. Ein richtiger Stadtrundreisen-Bus, für den extra eine asphaltierte Straße den Berg hoch angelegt wurde. Wir waren erst ein wenig irritiert, ob wir diese Straße hochwandern wollten, das haben wir uns anders vorgestellt. Aber schließlich fanden wir einen hübschen Wanderweg nach oben. Auf dem Weg passierten wir übrigens das Skyrope, einen Hochseilpark.
Bad_Harzburg_10.jpgDa war sie also, die Harzburg! Oder, was davon übrig gewesen ist. Viel war das nicht. Überall Steine. Und Steinhaufen, die einmal eine Mauer gewesen sein könnten. Ein alter Brunnen. Ein überwucherter Torbogen. Ein weitgestrecktes Gelände auf dem höchsten Punkt mit kreisförmigen Stein-Anordnungen. Hier müßte mal was gewesen sein. Einige Hinweisschilder an den Artefakten ließen Rückschlüsse über die ehemalige Funktion zu. Erwähnte ich es schon: Der Ausblick war prächtig!

Bad_Harzburg_11.jpgVor über 900 Jahren ließ Kaiser Heinrich IV. die Harzburg zur Festigung seiner Macht in Sachsen errichten. Der Bau dauerte von 1065 bis 1068. Die uneinnehmbare Burg diente zugleich als Schutz für die Kaiserpfalz in Goslar und den silber- und goldhaltigen Rammelsberg, als kaiserliche Residenz und als Sitz des Kolegiatstiftes. Zum Auftakt des Sachsenkriegs 1073 musste Heinrich IV. auf die Harzburg fliehen. Der König floh schließlich der Sage nach durch den Brunnen der belagerten Burg und einen Geheimgang. Im Friedensvertrag von Gerstungen musste Heinrich der Schleifung der Harzburg, zustimmen. Er ließ aber nur die Mauern und Türme der Harzburg umlegen, während die Gebäude stehen blieben. Die Harzburg wurde daraufhin im Frühjahr 1074 von aufgebrachten Bauern der Umgebung geplündert und vollkommen zerstört. Später wurde die Burg neu aufgebaut, wechselte aber oft ihren Besitzer, war zwischenzeitlich eine Raubritterburg und wurde aufgrund des unmodern gewordenen Befestigungstyps der Burg immer unbedeutender. 1650 begann man mit dem Abriss der verbliebenen Ruinenteile. Aus war´s mit der Burg.
Bad_Harzburg_8.jpgAls wir uns endlich satt gesehen hatten, steuerten wir die Seilbahnstation an. Der Führer hat uns das ein oder andere Wissenswerte über die Harzburg mitgeteilt. Tut mir leid, alles vergessen. Ich hätte damals schon Buch führen müssen. So habe ich nur geknipst, was das Zeug hielt.

Seilbahnfahren macht Spaß. Das ist zwar nicht wirklich eine Information, aber eine Tatsache. Heiratswillige können sich in der Seilbahngondel übrigens trauen lassen. Geht es anderen eigentlich auch so, daß man beim Seilbahnfahren ständig daran denken muß, was wohl wäre, wenn ausgerechnet jetzt die Stahlseile rissen? Aber schön war´s trotzdem. Auch wenn es nur drei Minuten dauerte. Und drei Euro kostete. Würde ich in Bad Harzburg wohnen, führe ich jeden Tag Seilbahn. Falls meine Rente das zuließe.
Bad_Harzburg_9.jpgUnbeschadet im Tal angekommen, durchquerten wir die Innenstadt, kauften keine Ansichtskarten, keine Souvenirs, kehrten nirgends ein, sondern gingen direkt zum Bahnhof. So weit ich das in Erinnerung habe, fuhr der Zug in eins durch. Hinein ins öde Flachland. Aber manchmal, wenn der Himmel klar ist, kann man von Braunschweig auch den Brocken sehen. Auch wenn wir da heute gar nicht waren.

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