Der Dowesee macht Schule
Braunschweig hat einen Schulgarten. Wunderschön. Zum Entspannen und Wohlfühlen. Wissen vermutlich nicht viele, denn der Schulgarten versteckt sich in der Nordstadt, genauer im Siegfriedviertel, unweit des Eintrachtstadions an der Hamburger Straße. Wer die Hamburger Straße kennt, würde dort in unmittelbarer Umgebung niemals ein solch paradiesisches Idyll vermuten, wie es der Schulgarten tatsächlich ist. Der Name Schulgarten ist zudem möglicherweise durchaus abschreckend. Wer geht schon freiwillig in die Schule?
In diese Schule aber geht man gerne. Ein echter Geheimtip. Braunschweig kann zwar durchaus aus einem reichhaltigen Angebot an Grünanlagen wie den Bürgerpark, den Museumspark, den Prinzenpark, den Westpark, den Botanischen Garten oder den Timmerlaher Busch schöpfen, doch wäre es schön, wenn der Schulgarten von noch mehr Braunschweigern als Ausflugsziel zum Erholen in der Stadt entdeckt würde. Es lohnt sich auf jeden Fall. Besonders im Sommer. Als ich das letzte Mal zur Sommerzeit im Schulgarten war, muß ich zugeben, da war das schon eine Neuentdeckung für mich. Als Kind war ich dort einmal mit meiner Tante Martha aus Berlin, das habe ich noch in Erinnerung, aber irgendwann muß ich wohl vergessen haben, daß es ihn überhaupt gibt. Schade!


Der Schulgarten ist ein weiträumiges Gelände mit hübsch angelegten Teichen, Kräutergärten und natürlich dem zentralen Dowesee, um den herum im Sommer Liegestühle stehen, in denen es sich herrlich abschlaffen läßt. Hier kann man noch sehen, welche Vorstellung die Menschen in den zwanziger Jahren von Gartenkunst hatten. In diesem 1919 erbauten Schul- und Bürgergarten sollten naturbezogene Lehrinhalte im Rahmen eines gartenarchitektonischen Konzeptes vermittelt und gestalterische Ansprüche mit pädagogischen Zielen verbunden werden.
Die Erweiterung des Schul- und Bürgergartens von 1953 ist aufgrund ihrer einheitlichen und abgeschlossenen Gestaltung ein gutes Beispiel für Parkanlagen der fünfziger Jahre. Zudem ist hier der Standort des Regionalen Umweltbildungszentrums - Biologiestation - am Dowesee, das sich mit Angeboten der Umweltbildung für Schul- und Erwachsenenbildung befasst und durch den Bau eines Energiehauses 1998 komplettiert wurde. Und nicht zu vergessen: Die Küchen- und Kräuterabteilung gehört zu den größten Sammlungen von Heilpflanzen im norddeutschen Raum.
Und da wir schon so gemütlich im Liegestuhl am Dowesee sitzen und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, können wir ein wenig ausholen und uns mit der Urgeschichte des Schulgartens beschäftigen. Das ist ganz interessant, denn große Teile des nördlichen Stadtgebietes von Braunschweig waren bis ins Mittelalter hinein unpassierbares Wiesen-, Busch- und Waldland. Archäologische Bedeutung hat dieses Gebiet durch bemerkenswerte Steinzeitfunde bekommen. Im Bereich der sandigen Uferzonen von Wabe, Schunter und Oker konnten schon 1895 und später 1931 Feuersteingeräte gefunden werden, die als Zeugnisse menschlicher Besiedlung der älteren und mittleren Steinzeit gedeutet werden können.
Die Hauptfundgebiete waren um den Dowesee und an den sandigen Uferbereichen von Wabe und Schunter. Diese Talbereiche und ihre sandigen, buschbestandenen Ränder waren ein günstiger Lebensraum für Fischer und Jäger der Steinzeit. Neben dem Fischfang waren die Vogeljagd und die Jagd auf größeres Wild wie Elche und Hirsche von Bedeutung. Ist da nicht gerade eben ein Säbelzahntiger durchs Gebüsche geschlichen? Nein, nur ein Kaninchen. Da können wir ja in Ruhe weiter dösen.
Und zu guter Letzte kommt auch noch ein bißchen Kultur ins Spiel: In dem leeren Gewächshaus auf dem Gelände des Schulgartens finden regelmäßig Konzerte, Kabarett und Lesungen statt. Ich bin zwar noch nicht da gewesen, aber was der Förderverein des Schul- und Bürgergartens Dowesee auf seiner Website Kultur unter Glas schreibt, hört sich verlockend an: ” Ganz besonders wird die Atmosphäre bei Dämmerung, wenn nur die Bühne beleuchtet ist und sich eine Lichterkette Ihren Weg durch das Gewächshaus bahnt. Draußen erleuchten Fackeln die Wege…”
Doch jetzt ist heller Tag, die Sonne läßt die Blumen im besten Licht leuchten, um mich herum zwitschern die Vögel, wohlige Wärme macht mich schläfrig. Schön hier, am Dowesee. Das will ich noch ein Weilchen genießen und schließe diesen Bericht.
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Tags: Dowesee, Schulgarten, Siegfriedviertel, Stadtteil