Zu Besuch im kleinsten Königreich der Welt - Romkerhall

ortsschild_romkerhall.pngRomkerhall ist das kleinste Königreich der Welt, dafür aber sehr berühmt. Dort ist eine ebenso berühmte Gaststätte zwischen Oker und Okertalsperre, schön idyllisch im Harz gelegen, beliebtes Ausflugsziel. Als Kind war ich einmal mit der Famillie in Romkerhall. Ja, damals ist man mit der Familie noch in den Harz gefahren. Ich kann mich noch gut an die “reißende” Oker und die verschlungenen Pfade erinnern, die wir entlanspaziert waren.


So mußten wir unter einem umgestürzten Baumstamm kriechen, der mitten auf dem Weg lag. Oh, ich liebte es, auf die aus dem Erdboden aufragenden Felsen zu klettern und hin- und herzuspringen. Gegenden wie Romkerhall oder der Radauerwasserfall sind so Orte, die wohl viele aus ihrer Kindheit kennen, aber dann oft Jahrzehnte nicht mehr gesehen haben. Aber ich will gar nicht über meinen Besuch in Romkerhall als Kind reden, an viel kann ich mich eh nicht mehr erinnern. Es war der Sommer 2005, immerhin auch schon wieder zwei Jahre her, als ich mich entschloß, meine Monatskarte Zone 4 an einem Wochenende zu nutzen, um den Harz zu erkunden.

Romkerhall_3.jpg So erreichte ich dann irgendwann Goslar mit dem Zug, stieg aus und wartete auf den Bus, der vom Bahnhof abfuhr. Der brachte mich dann innerhalb einer halben Stunde über den Ort Oker und Romkerhall bis zur Okertalsperre, an der ich ausstieg. Als ich meine Höhenangst bekämpft und die Sperre ausgiebig bewundert hatte, spazierte ich die Straße runter zurück in Richtung Goslar, vorbei an den Harzwasserwerken bis nach Romkerhall, wo mich schon von Weitem das Ortsschild vom Königreich begrüßte. An den Wasserwerken befand sich eine kleine Schleuse, in der Kanuten gegen die Strömung ankämpften und wie ein Gummiball auf- und abhüpften.

Romkerhall_1.jpg Als ich von diesem Schauspiel genug hatte, schaute ich mir das verspielte bunte Fachwerkhaus an, in dem das Hotel Romkerhall beherbergt war, direkt an der Straße. Dem gegenüber befand sich ein lustiger kleiner Wasserfall, daneben die königliche Kutsche, im Laufe der Jahre bereits merklich gealtert. Wohl nicht mehr im täglichen Gebrauch. Ich wagte einen kleinen Blick in die urige Gaststätte, beschloß aber, nicht zu speisen. Ich wollte lieber ein wenig spazierengehen, die Oker runter. Romkerhall ist ehrlich gesagt, doch eher ein Geheimtip für die Generation 60+, wenn ich das einmal so despektierlich sagen darf. Der ganze Harz ist halt was für Ältere. Schade eigentlich. Vielleicht ändert sich das ja mal, und die Harzer Region wird so cool wie Rügen. Dabei haben die doch auch nur ein paar kreidebleiche Felsen. Da ist hier die Landschaft doch wesentlich vielfältiger.

Romkerhall_2.jpg Aber nun ein wenig Aufklärung aus Wikipedia über das kleinste Königreich der Welt:
König Georg V. v. Hannover errichtete in der Gegend um Romkerhall seinen Jagdsitz und ließ 1862 den höchsten Wasserfall des Harzes anlegen. Nach dem Ende der Monarchie im Deutschen Reich 1918 geriet die Geschichte des Hauses Romkerhall in Vergessenheit. Auf der Website von Romkerhall heißt es:”1918 ging bekanntermaßen die Monarchie in Deutschland erst einmal zu Ende…”. Nach einem Brand gab es einen neuen Besitzer, der die Prinzessin von Sachsen und Herzogin zu Sachsen 1988 zur „Königin“ des gemeindefreien Territoriums Romkerhall auszurufen. Seitdem präsentiert sich Romkerhall nach außen als eigenständiges Reich mit Regent und Regierung.

Romkerhall_6.jpg 2004 versuchte man vergeblich, das Königreich über eBay (USA) für einen Preis von 60 Mio. Dollar zu verkaufen. Im Jahre 2005 formierten sich die rund 200 Bürger von Romkerhall und gaben sich eine „Verfassung“. Das Königreich Romkerhall wurde damit in seinem Selbstverständnis zur repräsentativen Monarchie. Geleitet wird es durch einen Reichskanzler in Absprache mit der Versammlung der Minister. Die Amtssprachen sind Deutsch und Englisch. Die „Staatsbürgerschaft“ erhält man auf Anfrage, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Die Mitglieder des Königreich Romkerhall geben sich sehr reserviert, man legt großen Wert auf äußerste Diskretion. Das Königreich hat eine eigene Währung, den Okerthaler.


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Romkerhall_9.jpgRomkerhall_8.jpgRomkerhall_7.jpg Ich verließ das Königreich und ging weiter. Hinter der Gaststätte begann ein kleiner, gewundener Pfad, der parallel zur Oker verlief. Hier ließ es sich wirklich ganz prima wandern. Die Straße war rechterhand von großen, dichten Bäumen verhüllt, ich befand mich inmitten schöner Natur. Die Oker rauschte unentwegt und wurde schneller und schneller. Wellen prallten an Felsen, die unbeweglich aus dem Wasser ragten. Ich weiß gar nicht, was die Leute motiviert, den Yukon rauf und runter zu paddeln. Hier ist es doch auch ganz schön. Ausreichend Abenteuer für mich. Auch ohne Kanu-Tour.

Romkerhall_5.jpg So spazierte ich dann weiter, während der Weg langsam anstieg und ich einen schönen Blick auf die Oker im Tal hatte. Vereinzelte Kanuten in ihren knallbunten Schutzanzügen und ihren Signalhelmen ließen sich vom Fluße treiben und schossen in atemberaubender Geschwindigkeit zielsicher dahin. An einer Stelle, an der die Oker breiter und schließlich wieder ruhiger wurde, verlangsamten die Kanuten ihr Tempo und legten am Ufer an, um ihre Abenteuerfahrt zu beenden. Meins ging aber noch weiter, und so setzte ich mich wieder in Bewegung. War schon interessant zu erfahren, wie das ist, einen Ort wiederzuerkennen, den man als Kind das letzte Mal gesehen hatte. Das war doch eigentlich unnützes Wissen! Wäre doch kein Problem für mich gewesen, hier lang zu laufen, als wäre es das erste Mal gewesen. Den Speicherplatz im Hirn hätte ich gut und gerne für sinnvolleres Wissen nützen können. Aber ehrlich gesagt, da ist doch noch eine ganze Menge frei.

Romkerhall_13.jpg Bald stieß ich auf eine weitere Sperre, und hinter der lag ein hochaufragender Felsen, der von zahlreichen angeseilten Kletterern erklommen wurde. Darunter auch Leute von der Jugendfeuerwehr. Ist ja ganz praktisch, daß auch die Feuerwehr auf einen Berg kommen kann. Wenn´s da mal brennt.

Nun war meine Wanderung schon fast wieder beendet. Hat nicht mal zwei Stunden gedauert. Ich bog in einen Weg, der mich wieder zurück auf die Straße führte und entdeckte ein Bushaltestellenschild. Da der Weg zurück nach Goslar doch ein wenig arg weit zu Fuß gewesen wäre, wartete ich ein Viertelstündchen auf den Bus, der mich wieder nach Goslar brachte. Dort bestieg ich den Zug nach Braunschweig und fuhr nach Hause. Dort, wo die Oker kreisförmig um den alten Stadtkern herumfloß. Aber ganz ruhig und beschaulich.

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