Freilichtmuseum in Gitter
Ist wirklich wahr! Kein Scherz! Im Gegensatz zu Mascherode in Braunschweig, das ich ebenfalls als Freilichtmuseum bezeichnet hatte, weil alles so schön beschildert war, gibt es in Gitter tatsächlich ein kleines, feines Freilichtmuseum. Gitter ist ein kleines, 2000 Bewohner zählendes Dorf, einen Kilometer von Salzgitter entfernt. Als ich letzten Samstag durch Salzgitter-Bad spaziert bin, dachte ich mir, mach´ doch einen Abstecher nach Gitter. Über diesen Abstecher schreibe ich hier.
Als ich die Landstraße mit abgesichertem Fußweg hinter mir hatte, traf ich auf die Alte Salzstraße des Dorfes und ging hinauf. Das Dorf ist ziemlich hügelig gelegen. Die ersten Meter schien mir Gitter reichlich unspektakulär, doch dann entdeckte ich einen äußerst steilen Fußgängerweg zur Straße am Schäferstuhl hinauf. Oben angekommen, genoß ich den Blick in östlicher Richtung auf die Dächer des Dorfes und auf den Berg, hinter dem Salzgitter Bad liegt. Gitter ist fast das südlichste Salzgitter, südlicher ist nur noch Hohenrode. Das ist der sogenannte Vorharz! Das hört sich aber so an, als sei es nur ein bißchen harzig. Ich fand es aber schon ziemlich harzig.


Als ich mich umdrehte, war das Dorf auch schon zu Ende. Ich entdeckte eine große Wiese und einen Bolzplatz. Von hier aus war der Brocken in seiner ganzen Pracht zu sehen, wenn auch nicht von Sonne beschienen. Ich überlegte, ob ich noch ein paar Kilometer weiter spazieren sollte, zum Beispiel nach Hohenrode, dessen Dächer ich von hier gut sehen konnte. Ich entschied mich dagegen und wandte mich um. Mir kam eine Dame mit sehr großem Hund entgegen.

Ich war mutig und fragte sie, ob es hier irgendetwas zu sehen gäbe, was sei denn zum Beispiel der Schäferstuhl? Der Schäferstuhl war ein Segelflugplatz. Jedes Jahr findet hier ein Flugtag statt, bei dem regelmäßig auch Oldtimer-Flugzeuge dabei sind. Weiterhin erklärte mir die Dame, daß die Wiese hinter mir ein ehemaliges Bergwerk gewesen ist, man kann jetzt noch die alten Luftschächte sehen, die dort auf der Wiese einsam aus der Erde ragen. Und tatsächlich! Diese dunklen Zylinder hatte ich vorhin zwar auch schon gesehen, doch nicht zu deuten gewußt. Hier hatten tausende Menschen ihre harte und gefährliche Arbeit gehabt. Welche Tragödien müssen sich hier abgespielt haben! Und heute ist hier nur noch umzäunte grüne Wiese.

Von Gitter, Kniestedt und Veppstedt aus wurden im 16. Jahrhundert die Salzquellen im Warnetal ausgebeutet. Von 1523 bis 1643 zählte Gitter zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Als Teil des Königreichs Hannover (seit 1815) kam Gitter 1866/1867 an Preußen. Nachdem Gitter bereits 1936 den Ortsteil Gittertor an Salzgitter-Bad abgeben mußte, wurde der Ort selbst vier Jahre später dorthin eingemeindet. Seit 1949 ist Gitter wieder selbständiger Stadtteil Salzgitters.


Ich bin dann wieder in das Dorf hinein, alles sehr sauber und aufgeräumt, und schaute mir die Häuser an. Da war zum Beispiel “Erikas Ferienwohnung” mit jeder Menge bunten Nippes als Dekoration an den Wänden. Ein paar Meter weiter fand ich eine Lore. Natürlich. Der einzige Laden des Dorfes stand leer. Immerhin war dort ein Briefkasten. Und eine Kirche.
Und jetzt endlich zum Freilichtmuseum: Als ich um eine Ecke bog, entdeckte ich Dutzende alter, buntbemalter Pflüge und sonstiges bäuerliches Handwerksgerät, alles ganz hübsch an den Wänden drapiert und auf dem Boden. An einer Wand stand tatsächlich das Wort “Freilichtmuseum”. Also, so etwas hat nun wirklich nicht jedes Dorf zu bieten. Da müssen sich die Gitteraner aber ganz schön ins Zeug gelegt haben, ich war beeindruckt.


Als ich meinen Musumsbesuch beendet hatte, entdeckte ich noch ein paar alte Tannenbäume von Weihnachten, weitere Attraktionen blieben mir verborgen. Ich verließ also das Dorf und begab mich wieder in Richtung Salzgitter-Bad. Nun hatte ich also auch einmal Gitter gesehen. Und das war nicht wenig: Ein altes Bergwerk, ein Freilichtmuseum, den Brocken, einen Segelflughafen, eine Hundeschule und mindestens einen riesigen, sabbernden Hund.
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