Der Schwarze Herzog stoppt Franzosen in Ölper!
Das Wetter war ja wieder äußerst bescheiden am Wochenende, so daß ich mich entschloß, nur einen kleinen Ausflug nach Ölper zu machen. Naßgeworden bin ich trotzdem. Ölper ist ein kleiner Stadtteil Braunschweigs, im Norden gelegen, und zählt 1300 Einwohner. Dort gibt es das städtische Tierheim mit dem dazugehörigen Tierfriedhof und natürlich den Ölpersee, beliebtes Ausflugsziel. Berühmt geworden ist Ölper natürlich durch die siegreiche Schlacht vom Schwarzen Herzog und seiner Schar gegen die Franzosen im Jahre 1809. Doch dazu gleich mehr.
Gegen Mittag hatte es fast aufgehört zu regnen, aber bereits nach einer halben Stunde Fußmarsch setzte der Regen wieder ein. Und hielt an für Stunden, in denen ich völlig durchnäßt wurde. Außerdem hatte ich durch meine letzte Tour nach Salzgitter-Bad meinen rechten Fuß aufgeschürft und im anderen Schuh drückte ein Steinchen. Zudem bekam ich langsam Kopfschmerzen. Aber ich will mich nicht beschweren. Ist ja für eine gute Sache. Der Schwarze Herzog hatte sich schließlich auch nicht beklagt, als die Übermacht der westphälischen Truppen die Stadt Braunschweig zu überrennen drohte. Die Männer damals hatten noch Courage. Bevor sie in die Schlacht stürmten, schrieen sie: “Sieg oder Tod!” Das ist doch mal eine Ansage!
1807 erklärte der französische Kaiser, das Haus Braunschweig habe aufgehört zu regieren, löste das Herzogtum auf und machte es zu einem Teil des Königreichs Westfalen. Friedrich Wilhelm baute daraufhin ein 2000 Mann starkes Heer auf, wegen ihrer schwarzen Uniform auch die Schwarze Schar genannt. Friedrich Wilhelm beschloß, mit seinen Truppen auf eigene Faust durch Norddeutschland zu ziehen und an der Seite Englands weiter gegen Napoleon zu kämpfen. Nach der Einnahme Halberstadts kehrte die Schwarze Schar nach Braunschweig zurück. Der Herzog wurde freudig von der Bevölkerung begrüßt, erhielt jedoch am nächsten Morgen die Meldung, dass sich eine 5.000 Mann starke, westphälische Division unter General Reubell von Norden der Stadt näherte.
Die Schwarze Schar wurde zusätzlich durch eine anrückende holländische Division bedroht. Um nicht zwischen diese beiden Divisionen zu geraten, beschloss der Schwarze Herzog sich den Westphalen bei Ölper zu stellen, um schließlich nach Norden durchbrechen zu können. Eine Stunde, nachdem die furchtlosen Truppen in Stellung gegangen ware, erschienen auch schon die Truppen Reubells. Die an der Spitze reitenden Kürassiere wurden sofort unter Feuer genommen. Nun gingen die Braunschweiger mit ihrem Herzog an der Spitze zum Gegenangriff über. Ein unmittelbar folgender Angriff der Westphalen scheiterte, die kühne Gegenattacke der Husaren fügte ihnen einigen Schaden zu und sorgte für große Unordnung. Zu weiteren Angriffen kam es nicht mehr. Zwar plante der Herzog einen nächtlichen Angriff, doch hatte Reubell, das vorausahnend, das Dorf Ölper bereits geräumt.


Ich näherte mich dem einst umkämpften Ort von der Celler Heerstraße her, durchquerte das Industriegebiet, schritt unter der Autobahnbrücke hindurch, und schon war ich in Ölper. Vor mir lag eine lange Durchgangsstraße mit vielen Neubauten. Doch gleich rechterhand erblickte ich einen umzäunten Grashügel, auf dem der mächtige, schwarzschillernde Obelisk zu Ehren des Schwarzen Herzogs und seiner todesmutigen Schar thronte. Ich trat heran und entzifferte die Inschriften des Obelisken. Auf dem Sockel schälten sich auf jeder Seite reliefartig die Konturen stolzer Löwen heraus. Eindrucksvoll!

Als ich das auch gesehen hatte, schritt ich die Straße entlang, bis ich in die Seitenstraße zum Tierheim einbog. Dort betrat ich als Erstes den kleinen Tierfriedhof, wo die Herrchen und Frauchen ihren Lieblingen ein liebevolles Grab bereitet hatten. Auf vielen der kleinen Gräber konnte ich Fotos der verstorbenen Haustiere entdecken, oft auch kleine Figürchen zur Erinnerung. Auf den Grabplatten waren oft persönliche Widmungen zu sehen. Zwei Tafeln mit kleinen Plaketten wiesen auf die Urnengräber der Tiere hin. So ein Tierfriedfof macht schon einen skurrilen Eindruck. Aber viele Menschen hängen halt an ihrer kleinen Kuschelkatze. Oder dem Mops. Oder dem Goldhamster.

Vom Tierfriedhof aus konnte man die Hundegatter des Tierheims erkennen. Ich war ungefähr dreißig Meter entfernt, doch die Köter nahmen sogleich Witterung auf und veranstalteten ein ohrenbetäubendes Gebelle. Was war ich froh, daß ich so einen guten Zoom in meiner Kamera habe!

Ich ging schleunigst wieder zurück zur Celler Heerstraße, die bald auf die Dorfstraße stieß, in welche ich einbog. Hier war er also, der alte Dorfkern. Viele, schöne Fachwerkhäuser, Bauernhöfe, Pferde, verwinkelte Gassen und natürlich die Kirche. Die hübsche Kirche St. Jürgen wurde 1842 nach Plänen von Carl Theoder Ottmer im neugotischen Stil gebaut. Vor der Kirche befindet sich ein kleiner Platz mit Dorfstein, Wasserpumpe und Info-Tafel. Ölper wurde erstmals 1251 als “Elbere” erwähnt. Ölper hatte eine bis 1859 bestehende Wassermühle, die bereits 1388 erwähnt wurde. Der Ölper Turm wurde 1642 erbaut.
Ich zog noch ein wenig durch die Gassen von Ölper und ließ mich naßregnen. Als ich die Celler Heerstraße wieder erreichte, machte ich am Hirtenweg an den Häusern um die Feinschmiede einige Fotos, als plötzlich eine Frau das Fenster öffnete und mich fragte, was ich denn da mache. “Ist das privat?” “Ja, ganz privat. Ich mach nur so´ne kleine Fototour, nichts weiter” Ich hätte ihr ja ganz einfach erklären können, was ich vorhatte. Dann hätte ich vielleicht sogar einen Leser mehr gehabt. Aber ich habe mich wie auf frischer Tat ertappt gefühlt, so daß ich mich lieber wieder schnell verdrückt habe. Die Dame hat so mißtrauisch geguckt. Weg war ich. Vielleicht dachte sie ja, ich sei ein Privatdetektiv. Oder Journalist. Na, mit so einer Profi-Kamera kann man da schon drauf kommen.

Jetzt hatte ich aber so gut wie alles durch in Ölper. Und ich war auch durch. Bis auf die Knochen. Aber zum Abschluß wollte ich noch den Ölpersee umrunden. Doch dies gelang mir nicht ganz. Schon bald schnitt mir das über die Ufer tretende Wasser den Weg ab. Der Ölpersee war völlig überschwemmt. Kein Durchkommen.
Wenn der See mal nicht überflutet ist, dann drehen hier übrigens die “Profis” von der Eintracht ihre Runden, um einmal die Woche für 90 Minuten nicht aus der Puste zu kommen. Das Stadion ist nicht weit entfernt vom See. Da gibt es dann noch die Geschichte von Kais Manai, einem ehemaligen Fußballer Eintrachts, der hier 2000/2001 einsam seine Strafrunden drehen mußte, weil er angeblich vom damaligen Trainer gemobbt wurde. Die Geschichte stand damals auch groß im Kicker. Ja, für schlechte Nachrichten war die Eintracht schon immer gut.

Und dann wäre noch das erfolgreiche Musical “Ölper 12 Points” zu erwähnen. Eine Art Grand Prix der Stadtteile Braunschweigs. Dort sangen beispielsweise der schöne René für Timmerlah, Puff Baba für die Nordstadt und DJ Marko feat. Miß Milchschnitte für die Weststadt. Es hatte aufgehört zu regnen, und mit einem schönen Lied auf den Lippen ging ich nach Hause. Unterwegs gönnte ich mir noch eine Flasche “Schwarzer Herzog“, frei nach dem Motto: “Nicht schwarz ärgern - lieber schwarz trinken!” Prost!
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