In Schandelah und Weddel ist es auch sehr schön
Am Samstag war ich mit meinem Kumpel Falk von der 43 in Schanderlah. Von dort aus sind wir dann später nach Weddel weiter spaziert. Zugegeben, interessant war das alles nicht besonders, aber ich war an diesem Tage auch nicht sonderlich in der Stimmung, die Schönheit eines neuen Ortes in mich aufzunehmen. Mir ging es sogar gar nicht gut. Warum, das möchte ich an dieser Stelle lieber nicht erzählen. Das könnte ja jemand lesen. Sagen wir, mein Hund ist gestorben. Und wir alle wissen ja, wie gerne ich Hunde mag. Es soll hier aber vor allem um die beiden Orte Schandelah und Weddel gehen. Versprochen.
Wir sind dann also los vom Braunschweiger Hauptbahnhof mit dem Zug Richtung Magdeburg. Die Woche zuvor bin ich dieselbe Strecke schon einmal gefahren, doch weiter bis nach Königslutter und Lutterspring. So hat mich der Spaß auch nur 2,80 EUR gekostet, anstelle von 4,30 EUR. Auf die Idee, mir Schandelah anzuschauen, kam ich auf meiner Fahrt nach Königslutter.
Um 14 Uhr ungefähr also kamen wir in Schandelah an. Mein erster Gedanke war: “Ach Du Schande! Hier gibt´s ja gar nichts zu sehen!” Entschuldigen Sie bitte das Wortspiel. Am Bahnhof fanden wir die Solarblume. Den Link dazu fand ich geschrieben auf einem alten Scheunentor in Schandelah. Eine virtuelle Adresse auf einem realen Scheunentor! Verrückte Welt. Aber wir haben natürlich nicht gleich wieder aufgegeben und näherten uns unerschrocken dem Dorfkern. Die Sonne schaute nur bei Gelegenheit raus, es war ein bißchen trist. Schandelah ist aber wirklich ganz schön. Schöne alte Bauernhäuser, alles gut in Schuß so wie man das erwartet von einem Dorf, das 1990 im Kreiswettbewerb des Landkreises Wolfenbüttel “Unser Dorf soll schöner werden” zum schönsten Dorf gewählt wurde. Wirklich, da kann man nicht meckern.


Das 2000 Einwohner zählende Schandelah ist 15 km östlich von Braunschweig gelegen und gehört zur Gemeinde Cremlingen. Schandelah hat einen Bahnhof, einen Kindergarten, eine Grundschule und einen Sportverein. In Schandelah verkehrt auch ein Disko-Bus, den Fahrplan fand ich in einem Aushang. Man muß sich nur zu helfen wissen. Bekannt ist auch das gleichnamige Debüt-Album von Rosenfels. In einer Kurzbiographie über Rosenfels schreibt der Autor: “Hört sich irgendwie so nach Schlangenbeschwörer oder einer Stadt im vorderen Orient an.” Darauf wär´ ich jetzt nicht gekommen, aber könnte sein. Die beiden Bandmitglieder Sven Brandes und Michael Röhl haben in Schandelah zusammen in einer WG gelebt. Außerdem ist Schandelah eine Karnevalshochburg. Die Karnevalsfeiern der Jungen Gesellschaft Schandelah eV haben Tradition. Ob hier auch hübsche Funkenmariechen wohnen? Hier sei auch mein Text über den Braunschweiger Karnevals-Umzug 2008 erwähnt. Das war ein Tag später, und da ging es mir schon wieder viel besser, nur zur Beruhigung.


Urkundlich erstmalig erwähnt ist Schandelah als Schanlege um 1200. Der Ursprung der ersten Besiedlung liegt wahrscheinlich in der Zeit von 500 bis 800 n. Chr. Um 1750 ein Dorf von rund 200 Einwohnern, wuchs die Bevölkerung bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nur langsam.
Erst nach dem Bau der Eisenbahnstrecke Braunschweig - Helmstedt - Magdeburg schnellte die Einwohnerzahl sprunghaft nach oben und erreichte um die Jahrhundertwende über 600. Der Zustrom nach dem 2. Weltkrieg vieler Vertriebener, die ihre Heimat verlassen mussten, hat dann zu einer Verdoppelung der Einwohnerzahl geführt. Landwirtschaftliche Nutzung gibt es aber kaum noch in Schandelah. Als wir das nord-östliche Ende des Ortes erreicht hatten, fing es wie aus heiterem Himmel an zu hageln. Als ob das Weltende bevor stünde. Das wär mir in diesem Moment aber auch egal gewesen.
Ein kleiner Friedhof war dort auch um die Ecke. Paßt doch. Es hörte aber bald wieder auf. Wir also weiter mit klammen Knochen. Dann entdeckten wir die Kirche, eine kleine, dunkle Gasse und den Treppenhersteller Kynast. Auf seinem Hof befand sich die auf dem Foto zu sehende Skulptur mit dem goldenen Mann auf der blauen Himmelstreppe. Kunst in Schandelah!

Nun hatten wir alles gesehen, und weil wir Lust auf mehr hatten, beschlossen wir, uns nach Weddel durchzuschlagen. Irgendwann kamen wir an hübschen Teichen vorbei, und eine alte Badewanne haben wir auch gefunden. Zwischendurch ein weiterer Hagelschauer. Von Schandelah führt ein Radweg durch ein kleines Wäldchen und durch lange Felder an einem Bach vorbei. Das waren wohl so fünf Kilometer Wegstrecke. Die Sonne ging unter. Alles war in wunderbares Licht getaucht. Schließlich näherten wir uns Weddel. Kurz vorher überquerten wir die Weddeler Schleife, wo sich ein Stein mit Inschrift über die Geschichte der Schleife befand.

Weddel muß man vermutlich nicht kennen, aber die Weddeler Schleife ist bestimmt vielen ein Begriff. Die Weddeler Schleife ist eine 21,1 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Fallersleben (Stadtteil von Wolfsburg) und Weddel (Gemeinde Cremlingen bei Braunschweig). Sie ist eingleisig, elektrifiziert und ein Teil der Kursbuchstrecke 301 (Braunschweig–Wolfsburg–Stendal). Solch interessante Dinge kann man bei Wikipedia nachlesen. Über Weddel selbst existiert allerdings noch kein Eintrag. Schade.
Weddel ist eine alte Siedlung. Unter ihrem damaligen Namen Wedele wird sie 1226 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Auf sehr alte Siedlungen weisen Wüstungen in der Gemarkung und ein Fund am Pfingstanger hin. 1898 wurden dort alte Feuerstätten sowie Urnen und ein seltener römischer Bronzekessel aus der Zeit um 150 n. Chr. freigelegt. Der Ortsname stammt wahrscheinlich aus dieser Zeit denn …wedel bedeutet soviel wie Durchlass in sumpfigem Gelände. Im Verlaufe seiner Geschichte gehörte Weddel wechselweise zum Besitz der Braunschweiger und Lüneburger Herzöge. Die Lüneburger Herzöge kamen gern hierher, um in den Wäldern zu jagen.
Im Ort angekommen steurten wir zunächst den Bahnhof an und entdeckten die Bahnhofsgaststätte. Dann natürlich Bauernhöfe, Kirche, schöne alte Tore. Für heute hatten wir aber genug von Weddel und spazierten durch die Felder Richtung Schapen. Nun war es ganz dunkel. Und ein nicht endenwollender Hagelschauer setzte ein. Das war mir so was von egal. Man kann ja nicht immer Glück haben. So näherten wir uns dann durchnäßt den Riddagshäusener Kreuzteichen und steuerten das Stadtzentrum an. Unser Ausflug nach Schandelah und Weddel war beendet.
Möge der Leser sich bitte keine Sorgen um meinen Gemütszustand machen. Mir geht es inzwischen schon wieder viel besser. Ich habe nämlich Aussicht auf einen neuen Hund. Ihr wißt schon, was ich meine. Ist das nicht toll? So schnell bin ich nicht kleinzukriegen. Ich wandere weiter!
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