Pferde, Hühner, Hunde und Museum in Bortfeld
Bortfeld war auf meiner Timmerlaher Busch - Lamme-West - Wedtlenstedt - Tour am Sonntag bei bestem Sonnenschein ein weiteres Highlight. Danach ging es zurück über die FAL, Watenbüttel, Ölper und den Ring. Wer den Kartenausschnitt der unten stehenden Google-Map verkleinert, kann den kompletten Streckenverlauf meiner Wochend-Tour bewundern. Aber zurück zu Bortfeld, das übrigens ein eigenes, wenn auch vorübergehend geschlossenes, Bauernmuseum besitzt.
Bortfeld ist, wie Wedtlenstedt auch, nahe am Stichkanal Salzgitter gelegen, den ich aber nicht mehr besucht hatte, obwohl er doch so nahe war. Mein Weg war aber auch so weit genug. Als ich den Ortseingang erreicht hatte, fiel mir sofort zur Rechten ein Holzschild mit der Aufschrift “Braunschweig” auf, das an einer Hauswand angebracht war. Hierbei handelt es sich um einen vielleicht vier Kilometer langen Radweg durch verschiedene Gehölzer und unendlich lange Felder, der direkt auf Lamme zuführt, beziehungsweise, kurz vor der FAL in Richtung Watenbüttel endet. Bei schönem Wetter, wie ich es erleben durfte, kann man den Broitzemer Fernsehturm und sogar den Brocken entdecken. Aber ich greife vor, das ist ja schon das Ende der Geschichte. Zurück zu Bortfeld.

Bortfeld hat ca. 2200 Einwohner. Der älteste urkundliche Nachweis für die Familie von Bortfeld stammt aus dem Jahr 1169. Bis 1974 war Bortfeld wie auch Wedtlenstedt eine eigenständige Gemeinde des ehemaligen Landkreises Braunschweig. Nach der Gebietsreform wurde Bortfeld in die Gemeinde Wendeburg eingegliedert und gehört seit dem zum Landkreis Peine. In Bortfeld fand 130 Jahre lang und nach einigen Jahren Unterbrechung wieder das Fahnenjagen statt, ein Wettbewerb, bei dem die Reiter mit einem Stab durch einen aufgehängten Ring stechen und so abwerfen. Das Erringen von Königswürden steht als Ziel.
Ich begab mich also in das Dorfinnere und stieß sogleich auf die Hauptstraße, der Bortfelder Straße. Darauf hin wandte ich mich nach links und betrat den für Autos abgesperrten Polterdamm. Der Name paßt, denn der abgetragene Asphalt offenbarte schwerbegehbaren Schotter, der auch einem betagten Radfahrer mit Hut zu höchster Konzentration veranlaßte, der schlingernd auf mich zurollte. Zu allem Überfluß mußte ich ihn auch noch ansprechen und nach dem Weg zum Bauernmuseum fragen. Der alte Mann meisterte die Situation perfekt, hielt kurz an, wies mir den Weg, und rollte vorsichtig weiter.
Nachdem ich den Poltergeist-Damm erleichtert verlassen hatte und in die Twete einbog, den Klint kreuzte, zwei lustige Hühner fotografierte, traf ich endlich auf die Straße Katzhagen, wo sich vor mir auf einem umzäunten, grün bewachsenen Hügel das stolze, langgezogene und reetbedeckte Bauernmuseum zeigte. Als Kind bin ich schon einmal hier gewesen, vielleicht mit zehn Jahren. Und ich bin mir sicher, daß ich damals mit meinen Eltern das Museum besucht hatte. Das ist jetzt hundert Jahre her, aber ich habe es sofort wieder entdeckt. Verrückt, was?
Wie eingangs erwähnt, das Bauernmuseum ist zur Zeit geschlossen, und es fehlen die Mittel, um es hinreichend zu sanieren. Was ich äußerst bedauerlich finde. Es ist doch gerade für junge Menschen wichtig zu wissen, wie die Leute vor nicht viel mehr als fünfzig Jahren noch gelebt haben. Aber so manch ein Dorf, zumindest im alten Dorfkern, ist für sich genommen schon ein kleines Museum, das an das alte ländliche Leben erinnert. Zumindest die Häuser zeugen davon. So auch in Bortfeld.
Ich öffnete also die Tür des Holzzaunes und begab mich auf das schöne Haus von 1726 zu. Leider konnte ich nichts von den Räumlichkeiten des Museums entdecken, als ich durch die kleinen Fenster spähte. Alles wirkte so dunkel und leer. Als ich auf die Eingangstür zutrat, bemerkte ich einen beschriebenen DIN-A4-Zettel in Klarsichthülle verpackt, der an die Wand geheftet war. Von diesem erfuhr ich von der zeitweisen Schließung des Museums. Ich umrundete das Haus und entdeckte an der Rückwand zwei verlassene Bienenkörbe. Hinter dem Haus stand ein maroder, offener Holzschuppen, in dem allerhand alte landwirtschaftliche Arbeitsgeräte, Maschinen und Fahrzeuge präsentiert wurden - vom Schäferkarren über die Häckselmaschine zum Korbschlitten. Verblichene Informationstafeln am Schuppen ließen die Bezeichnungen der Ausstellungsstücke erahnen.
Bortfeld ist ein Pferde-Eldorado. Es gibt hier eine große Reithalle. Das Fahnenjagen hatte ich bereits erwähnt. Gleich schräg links vom Bauernmuseum sah ich dann auch schon grasende Pferde auf einem Bauernhof. Von dort führte ein schmaler Weg auf einem Hügel mit der Dorfkirche. Hier mußte der höchste Punkt des Ortes sein. Hinter der Kirche betrat ich die Lange Straße, ging nach links auf die Hohe Worth und fotografierte den urigen Feuerwehrturm aus Holz. Dort kreuzte auch die Straße Opferhöfe. Da ging ich lieber nicht entlang. Stattdessen lief ich die Lange Straße zurück und traf auf die Hauptstraße des Ortes, die Bortfelder Straße.
Als ich über den Zaun eines Eckhauses lugte, erblickte ich erschreckt einen dunklen, alten, großen Hund, der mir direkt in die Augen sah. Doch offensichtlich hatte er auf einem alten Holztisch mit Decke auf dem Hof gerade sein Mittagsschläfchen genossen und konnte nur mit Mühe seinen Kopf erheben, um einen grimmigen Ausdruck aufzusetzen. Bevor er seine müden Glieder recken konnte, war ich auch schon wieder weg. Und folgte dem bereits erwähnten hölzernen Hinweisschild am Glinderweg Richtung Lamme.
Es ging stetig bergauf, die Nachmittagssonne wärmte mich ganz angenehm. Als ich auf das umzäunte Gelände der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) traf, standen vor mir zwei ratlose Radfahrer mit ausgeklappter Landkarte. Um die beiden noch mehr zu verwirren, fragte ich die beiden, wie ich denn bitteschön zu den Rieselfeldern an der Mülldeponie Watenbüttel komme. Hört sich zwar nicht so gemütlich an, man soll dort aber ganz hübsch spazieren können. Dieser Weg wäre für meine sonntägliche Wanderung zwar viel zu weit gewesen, aber noch hatte ich diese Option im Hinterkopf. Die beiden konnten mir meine Frage natürlich nicht beantworten. Als ich sie fragte, wohin sie denn wollen, sagte mir die Dame seufzend: “Nach Hause!” Damit meinte sie Lehndorf. Daraufhin erklärte ich den beiden, der kürzeste Weg wäre links an der FAL vorbei, dann durch das Kanzlerfeld, und schon sei man in Lehndorf. Froh, daß ich helfen konnte, ging jedenfalls ich in diese Richtung, während die beiden weiter diskutierten. Als ich mich umdrehte, sah ich die beiden in Richtung Lamme verschwinden…

Bei Gelegenheit werde ich noch einmal ausführlich über Watenbüttel berichten, das reicht für heute. Aber als ich aber die Landstraße von Watenbüttel nach Ölper entlangging, hatte ich echt Schwein. Auf wunderbaren Matschfeldern gruben sich unzählige glückliche Schweine in den Morast. Als ich näher an den Zaun trat, liefen die Schweine mir aufgeregt quiekend entgegen und schienen einfach nur - glücklich! Daß ich ihnen leider keine Leckerli anbieten konnte, schien ihnen nicht besonders viel ausgemacht zu haben. Sie waren viel zu sehr beschäftigt mit ihrem Schweinkram.
Schwein müßte man sein!
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