Bei Sonnenschein im Februar in Wedtlenstedt

WedtlenstedtDer Sonnenschein motivierte mich am Sonntag, eine schöne Tour in Braunschweigs nächster Umgebung zu unternehmen. Also spazierte ich gemütlich durch den Timmerlaher Busch, wo ich auf eine Gruppe lustiger Rentner traf, die sich boßelnderweise fortbewegten. Ich versuchte, so vorsichtig wie irgendmöglich an ihnen vorbeizuschleichen, was mir gelang, ohne eine Kugel an den Kopf zu bekommen. Sonst wäre an dieser Stelle mein Bericht zu Ende. Doch so spazierte ich unbeschadet weiter über Lamme-West, natürlich Wedtlenstedt, Bortfeld, vorbei an der FAL und PTB an der Bundesallee, schließlich Watenbüttel und Ölper, bis ich über das Westliche Ringgebiet nach Hause spazierte. Wer den Kartenausschnitt der untenstehenden Karte verkleinert, kann den ganzen Streckenverlauf meiner Tour bewundern.


WedtlenstedtBortfeld_16.jpg Als ich den Wald hinter mich gelassen hatte, ging es weiter am Freibad Raffteich und am Raffturm vorbei in Richtung Lamme-West, wo mir auf der Landstraße eine rüstige Nordic-Walkerin im knallroten Jogging-Anzug voranschritt. Linkerhand kurz vor Lamme wurde Fußball gespielt. Durch den alten Dorfkern bin ich nicht spaziert, schließlich war ich dort schon zu Besuch. Außerdem waren mir Peine und Paris dann doch zu weit. Im Neubaugebiet von Lamme-West fragte ich eine junge Mutter nach dem Weg nach Wedtlenstedt, die gerade damit beschäftigt war, ihre Kinder für den Sonntagsausflug ins Auto zu bugsieren. Bereitwillig gab sie mit Antwort, und ich konnte meine Tour fortsetzen.


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WedtlenstedtBortfeld_5.jpg Ich verließ Lamme-West, betrat die Landstraße nach Wedtlenstedt und erreichte den Ort nach zwei Kilometern. Ich wüßte nicht, jemals in Wedtlenstedt gewesen zu sein. Kam mir völlig unbekannt vor. Doch Wedtlenstedt ist wirklich ganz hübsch. Das Dorf hat etwa 1500 Einwohner und gehört bereits zum Landkreis Peine. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölerung durch die aus dem früheren deutschen Osten Vertriebenen und Zugewanderten rapide an. Während die Menschen früher vorwiegend vom Spargelanbau und dem Verkauf von Gemüse an Konservenfabriken lebten, gibt es hier heute keine reinen Landwirtschaftsbetriebe mehr. Arbeit finden die Menschen vorwiegend in Braunschweig. An der Hauptstraße, dem Stadtweg, konnte man zu allen Seiten nette Bauernhäuser bewundern. Auf Wedtlenstedt.de kann man übrigens eine interessante Auswahl von Wedtlenstedter Häusern im Vergleich von 1970 und 2000 sehen. Da hat sich einiges verändert. Bei einigen Häusern ist leider das Fachwerk unter schnödem Putz verschwunden. Vorwiegend mitteldeutsche Dreiseit- und Hakenhöfe aus Backsteinfachwerk und Backstein prägen das Bild im alten Dorf.

WedtlenstedtBortfeld_6.jpgWedtlenstedt ist zwischen 300 und 800 n.Chr. als altsächsische Siedlung entstanden. Darauf läßt die Endung -stedt im Ortsnamen schließen. Aber auch der Kopf des Sachsenrosses in seinem Wappen weist darauf hin. Es ist außerdem in seiner Geschichte eng mit den Schicksalen des Kreuzklosters Braunschweig verbunden. Deshalb enthält das Wappen in seiner oberen linken Ecke das Kreuz. Der Ort ist nach der Familie von Wedtlenstedt benannt, die um 1200 hier lebte, und der das Land gehörte, bevor sie es an das Kreuzkloster verkaufte.

Aus Wedtlenstedt kommen übrigens die “Pirates of the Baggersee” und der Braunschweiger Designer Peter Weichert.

Einige hundert Meter hinter dem Dorfeingang entdeckte ich an der Kreuzung zum Mölmweg eine saubere Parkbank mit Papierkorb für den müden Wanderer. So etwas habe ich in einem kleinen Dorf eigentlich noch nicht gesehen. Doch ich hatte noch genug Energie und schritt weiter. Aus der Ferne vernahm ich aufgeregte Rufe, die ein Fußballspiel in der Nähe zu meiner Linken vermuten ließen. Doch es gab kein Durchkommen zwischen den Häusern auf der linke Seite. Dort, auf einem Hof, hörte ich einen Mann zu seinem mir unsichtbaren Gegenüber sagen: “Was denn, heute gar nicht beim Fußball?” An die Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern, aber meine Vermutung in bezug auf das Fußballspiel sah ich nun bestätigt.

WedtlenstedtBortfeld_4.jpg Als nun endlich die Denstorfer Straße den Stadtweg kreuzte, bog ich in diese links ein, dann wieder links auf den Ackerweg, wo ich den Sportplatz schon von Weitem sah. Ich postierte mich an der Seitenlinie neben einem Ersatztor und machte mich bereit, spektakuläre Sportfotos zu schießen. Auf dem Feld entwickelte sich vor etwa zwanzig Zuschauern tatsächlich eine muntere Partie, wobei der MTV Wedtlenstedt eindeutig die besseren Spielanteil hatte. Der Gegner hieß ausgerechnet Bortfeld, dem ich anschließend ja auch noch Besuch abstatten wollte, das mit 0:3 abgefertigt wurde. Der MTV Wedtlenstedt scheint eine ausgesprochen gute Rolle in der Kreisliga Peine zu spielen Glückwunsch! Als nach einer Viertelstunde Zuschauen ein Spieler den Ball in einer dichten Hecke versenkt hatte, und minutenlang nach diesem gesucht wurde, hatte ich dann doch genug gesehen und verließ meinen neuen “Ground”.

WedtlenstedtBortfeld_3.jpg Wieder auf der Denstorfer Straße angekommen, betrat ich den Weinberg hinter der Kreuzung zum Stadtweg, wo ich ein prächtiges Herrenhaus bewunderte, wenn dies der richtige Ausdruck dafür ist. Rechts ging es weiter in den Weinbergweg (wurde hier früher Wein angebaut?), wo ich die Dorfkirche sichtete. Dieser Weg und einige anschließende Gassen machen den alten Dorfkern aus. Die Kirche gehörte einst mit ihren Gütern der Gräfin Gertrud von Braunschweig. Als diese den Grafen Otto II. von Northeim heiratete, kam die Kirche zu dessen Gütern. Nach seinem Tode fielen sie dem Grafen Dietrich III. zu. Dieser verwandte 1105 die Kirche zu Wedtlenstedt samt ihren Ländereien zur Ausstattung des von ihm gegründeten Klosters Katlenburg.

Vermutlich hätte ich in Wedtlenstedt noch das ein oder andere interesante Detail entdecken können, doch ich hatte noch einen weiten Weg vor mir. Zu Erwähnen ist natürlich noch die Schleuse am 17 Kilometer langen und 48 Meter breiten Stichkanal Salzgitter, erbaut von 1938 bis 1940. Die Errichtung der Schleuse kostete 10 Millionen “Reichsmark”. Im Schleusenbecken werden beim Absenken der passierenden Schiffe 25.000 Kubikmeter Wasser bewegt, das sind 2.500.000 Eimer Wasser! 1963 bis 1970 wurde die Schleuse für Europa-Schiffe umgebaut. Das kostete satte 3.600.000 DM. Gesehen habe ich die Schleuse dummerweise nicht. Bestimmt komme ich noch einmal wieder.

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