Königslutter - kleine Stadt mit Charme

ortsschild_konigslutter.pngDas ist der Slogan von Königslutter. Den fand ich auf dem großen Marktplatz an einem Automaten, der für 50 Cent eine Broschüre der Stadt ausspuckt. “Kleine Stadt mit Charme” paßt wahrscheinlich auf einige Städte, ist also nicht so außergewöhlich. Paßt aber auf jeden Fall für Königslutter. Es war Samstag, und die Sonne schien ganz kräftig. So setzte ich mich um 11 Uhr 18 in die Regionalbahn nach Magdeburg. Soweit wollte ich natürlich nicht, aber nach etwa 20 Minuten und Halten in Schanderlah und Weddel hielt der Zug auch in Königslutter, wo ich dann auch ausstieg. Der ganze Spaß hatte mich vier Euro dreißig gekostet. Wobei die 4 und die 3 zusammen eine ganz schöne Zahl ergeben.


Koenigslutter_6.jpg Königslutter, das “Tor zum Elm”, hat 17.000 Einwohner und liegt am nördlichen Rand des Elms, der als Norddeutschlands größter geschlossener Buchenwald gilt. Im Elm habe ich übrigens schon den Tetzelstein besucht und beschrieben. Königslutter ist zwölf Kilometer von Helmstedt und 26 Kilometer nord-östlich von Braunschweig entfernt. Kaiser Lothar III. residierte in Königslutter und war der letzte deutsche Kaiser aus dem sächsischen Geschlecht. Eindrucksvoll sind die vielen Fachwerkhäuser in der Altstadt und natürlich der Kaiserdom. Durch Königslutter führt die Deutsche Fachwerkstraße. Von Königslutter aus kann man viele Wanderwege in den Elm ausprobieren. Ich selbst bin am Tag noch in Lutterspring gewesen, südlich der Stadt gelegen. Und aus Königslutter kommt natürlich auch das berühmte Duckstein-Bier, das inzwischen in Braunschweig gebraut wird.

Koenigslutter_1.jpg Aber nochmal von vorne. Ich verließ also den Bahnhof und bewegte mich in südlicher Richtung auf die Innenstadt zu. Dabei durchstreifte ich ein gewöhnliches Wohngebiet, das nicht vermuten ließ, was Königslutter alles zu bieten hat. Vorbei am alten Postamt, durch den Park und an dem Obelisken in Andenken an einen Leutnant, der in den deutsch-französischen Kriegen gekämpft hat.


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Koenigslutter_5.jpgKoenigslutter_8.jpgKoenigslutter_15.jpg Schon war ich in der Altstadt. Die Fußgängerzone mit den vielen Fachwerkhäusern führte direkt auf den großen Marktplatz, der dieses Wochenende von den Parteien belagert wurde. Es war ja schließlich Wahlkampf. Dort fand ich auch den Broschüren-Kasten. Und es ist richtig, Königslutter ist klein. Hat aber Charme. Ich ging dann weiter in Richtung des Kaiserdomes. Auch hier überall Fachwerk. Doch je weiter man sich vom Stadtkern entfernt, umso verfallener werden die Häuser teilweise. Einige Straßenzüge erinnerten mich sogar an die alten Häuser in Blankenburg, die sich in einem schlechten Zustand befinden.

Koenigslutter_2.jpg In Königslutter befinden sich dann noch das Geopark-Informationszentrum, das Museum Mechanischer Musikinstrumente am Dom und die Otto-Klages Steinsammlung am Sack. Die Stadt Königslutter am Elm war ursprünglich ein Dorf namens Lutter. 1135 wurde es urkundlich als Lûtere erwähnt, benannt nach dem Bach Lutter, der in Ortsnähe einer starken Quelle dem Elm entspringt. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts setzte sich der Name Königslutter als Konnigesluttere durch, wobei das König an den König und späteren Kaiser Lothar von Süpplingenburg erinnert.

Koenigslutter_14.jpg Zurück zum Dom. Groß und eindrucksvoll. Leider konnte ich ihn nicht von innen sehen, da er zurzeit restauriert wird. Nähreres finde ich auf koenigslutter.de: ” Seit Mitte 2002 laufen Sanierungsarbeiten im Außenbereich. 2006 wurde mit der Restaurierung der Decken- und Wandmalerei im Chor des Domes begonnen. Die Renovierungsarbeiten werden 2008/09 im Langschiff fortgesetzt. Im Zuge dieser Maßnahme ist auch die Restaurierung der Domorgel vorgesehen. Die gesamte Maßnahme wird voraussichtlich im Jahr 2009 abgeschlossen. Aufgrund umfangreicher Bau- und Restaurierungsarbeiten im gesamten Kircheninnenraum ist der Kaiserdom in der Zeit vom 07.04. bis 31.07.2008 für jeden Besucherverkehr geschlossen.”

Koenigslutter_13.jpgKoenigslutter_16.jpg Aber es gibt vor dem Dom die fast 900 Jahre alte Kaiser-Lothar-Linde zu sehen, ein Naturdenkmal von überregionaler Bedeutung, das ich aber irgendwie übersehen haben muß. Manchmal laufe ich halt ein bißchen blind durch die Gegend. Seit 1986 gibt es ein Kaiserdom-Museum in einer ehemaligen Steinmetzschule. Am Dom vorbei führt eine alte Mauer an einem kleinen Teich vorbei. Hier beginnt ein Femo-Wanderweg, der direkt an dem kleinen Bach und den drei Teichen zu Lutterspring führt. Bei Lutterspring befindet sich die gleichnamige Gaststätte und nicht weit entfernt die begehbaren Kalksteingruben.

Koenigslutter_12.jpgKoenigslutter_10.jpg Wollen wir doch mal sehen, was Wikipedia, dazu zu sagen hat: Der Kaiserdom Königslutter wurde 1135 als Benediktiner-Abteikirche von Kaiser Lothar III. zur Ehre von „St. Peter- und Paul“ in Königslutter gestiftet. Die Fertigstellung des romanischen Bauwerkes erfolgte – nach dessen Tod – um 1170 unter Heinrich dem Löwen. Das Kirchengebäude ist eine kreuzförmige Pfeilerbasilika, die mit 75 m Länge und 18 m Höhe für damalige Zeit enorme Ausmaße hatte. Der Kaiserdom wurde an der höchsten Stelle im Ort errichtet. Der Kirchenbau zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmälern der Romanik in Deutschland und war das erste Großgewölbe nördlich des Harzes. Er war als Symbol imperialer Würde angelegt und ist von der Bedeutung her dem salischen Kaiserdom zu Speyer gleichzusetzen. Der Bau lässt die unmittelbare Nachfolge zu oberitalienischen Kirchen wie den Domen von Modena, Verona und Piacenza erkennen.

Dann gibt es noch das berühmte Jagdfries am Dom: Zwei Hasen fesseln einen liegenden Jäger. Zwei Jäger blasen ins Horn, Hunde hetzen einen Hirsch, schlagen ihre Zähne in Hase und Wildschwein. Und plötzlich soll einer der Waidmänner im Kampf mit zwei Hasen den Löffel abgeben?

Koenigslutter_9.jpg Weiter ging´s. Und zwar nach Lutterspring. Ich ging einfach die alte Mauer hinter dem Dom entlang, erblickte rechterhand einen hübschen Teich, wo gerade ein Schwan gefüttert wurde. Ich bog nach links um und folgte dem weiteren Verlauf der Mauer, bis ich schon die Lutter erblickte. Also immer die Lutter entlang. Wie bereits erwähnt, Text zu Lutterspring gibt´s gratis hier.

Koenigslutter_7.jpgKoenigslutter_4.jpgKoenigslutter_3.jpg Logischerweise hatte ich diese Tour irgendwann hinter mir und kehrte den selben Weg zurück. Ich hatte schließlich genug gesehen und beschloß, den Zug nach 15 Uhr zurück zu nehmen. Dummerweise hatte ich eine falsche Zeit im Kopf und den Zug deshalb um wenige Minuten verpaßt. Nun hatte ich also noch eine geschlagene Stunde Zeit, obwohl ich glaubte, schon alles gesehen zu haben. Die Sonne war seit 14 Uhr verschwunden, und ein kalter Wind zog auf. Es wurde ungemütlich. Um mich warm zu halten, ging ich hinter den Bahnschienen in den nördlichen Teil von Königslutter, in dem es leider nicht wirklich was zu sehen gab. Eine lange Straße mit Bach und vielen Weiden. Jedenfalls gibt es hier eine Steinmetz-Schule mit einigen netten Skulpturen vor dem Eingang.

Die Stunde verging und ich betrat den Bahnsteig. Das war´s für heute aus Königslutter. Bis zum nächsten Mal in diesem Theater. Ich fuhr zurück in die etwas größere Stadt, auch mit Charme.

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