Gifhorn - Wasser auf die Mühlen!
An einem äußerst verregneten Samstag verschlug es mich ins 41.000 Einwohner zählende Gifhorn. Es nieselte mal mehr oder weniger kräftig, ohne Unterlaß. Die Sonne ließ sich gar nicht blicken. Alles trüb und grau. Aber ich war seltsmerweise in der Stimmung für eine ausgedehnte Radtour ins schöne Gifhorn. Am Ende war ich klatschnaß, die Zehen gefroren. Aber gelohnt hat es sich allemal!
So fuhr ich dann übers westliche Ringgebiet und die Hamburger Straße nach Wenden und Waggum, bis ich endlich auf die B4 traf. Diese Route kann ich wirklich niemandem empfehlen, ganz schön abenteuerlich. Die Zufahrt auf die B4 mutete auch ganz verdächtig an eine Autobahnzufahrt an. Da gibt´s bestimmt bessere Wege. Die Lastwagen brausten an mir vorbei, und der nasse Untergrund bereitete mir auch kein Vergnügen. In Meinholz legte ich erst einmal eine Verschnaufpause ein. Dort, am Straßenrand, parkte ein Wagen, aus dem heraus Blumen verkauft wurden. Die nette Blumenverkäuferin fragte ich nach einem besseren Weg. Doch da konnte sie mir leider nicht weiterhelfen. Der Verkauf war an diesem Tage äußerst unbefriedigend für sie, und da sie sich langweilte, plauderten wir ein wenig. Dann mußte ich den Schnack aber beenden, mein Weg war noch weit.
Also weiter auf der unsicheren Straße. Sicher über Bechtsbüttel in Meine angekommen, radelte ich weiter durch Röttgesbüttel und Ausbüttel, bis ich schließlich in Gifhorn ankam. Der Regen hatte fast aufgehört, und ich fuhr die lange Hauptstraße entlang, wo ich rechterhand das schöne Panorama-Café entdeckte. Das ist ein auf einem Hügel gelegener 1999 umgebauter Wasserturm, an dessen Fassade ein Fahrstuhl installiert ist. Der Besucher kann aber auch zu Fuß den Turm besteigen und dabei ein kleines Wasserturm-Museum bewundern. Oben angekommen, erlaubte mir die Chefin, Fotos zu machen. Das Café ist klein und hübsch, ein Gemälde zieht sich kreisförmig um die Decke. Der Panoramablick ist hervorragend. Kleine Schildchen an den Fenstern informieren den Gast darüber, wohin er blickt. Bei besserem Wetter hätte ich bis in den Harz schauen können.
Wikipedia sagt über den Namen Gifhorn: Zwischen den aus der Eiszeit um Gifhorn entstandenen Erhöhungen, sowie dem nördlichen Moorgebiet und dem schwer passierbaren Aller-Urstromtal, bot der Mündungswinkel von Aller und Ise eine der wenigen geeigneten trockenen Stellen für eine Siedlung und für einen Flussübergang. Der Name könnte daher nach Wortdeutungen aus überlieferten Dokumenten und Ortsnamen von Giffel, Gaffel, Gabel und Horn (gleichbedeutend mit “Erhöhung, die ins Wasser hineinragt”) abgeleitet sein.


Ich verließ das Gifhorner Panoramacafé und begab mich direkt in die Fußgängerzone, wo mich ein schönes Fachwerkhaus nach dem anderen erwartete. Auf einem größeren Platz standen mannsgroße bunte Windmühlen im Kreis um einen Springbrunnen aufgestellt, um Werbung für Gifhorn als Tourismus- und Kulturort zu machen. Die Fußgängerzone machte einen Knick nach links, dem ich folgte. Dort stieß ich auf eine lustige Ziegenskulptur und fand das leider etwas heruntergekommene Kavaliershaus. Die Bewohner umliegender Gemeinden bezeichneten Gifhorn in der Vergangenheit abfällig als Zickenstadt. Eine Ziege als Kuh des kleinen Mannes konnten sich seinerzeit auch die ärmeren Stadtbewohner leisten, so dass die Ziegenpopulation in Gifhorn vergleichsweise stärker war als anderswo. Am Ende entdeckte ich das Rathausgebäude neben der großen Kirche und dem Hofkeller. Von hier aus war es auch nicht mehr weit bis zum Gifhorner Schloß, in dem ein am Fluß gelegenes Café, ein Museum und die Justizvollzugsanstalt (!) eingerichtet sind. Das Schloß ist wirklich sehenswert.
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Das Schloß Gifhorn ist eine zwischen 1525 und 1581 im Stil der Weserrenaissance erbaute Schlossanlage. Das bis 1790 festungsmäßig ausgebaute Schloss mit seinen Wassergräben, Wällen und Bastionen wurde nie eingenommen. Im 16. Jahrhundert war es unter Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg nur 10 Jahre lang Residenz des Herzogtums Gifhorn.
Von dort schlenderte ich mit meinem Rad an der Seite durch den großen Schloßpark mit seinem See und steuerte auf den Mühlensee zu. Von dort kann der Spaziergänger das berühmte Gifhorner Mühlenmuseum komplett umrunden und dabei die wunderschönen Mühlen bewundern, ohne Eintritt zu bezahlen! Dort traf ich auch auf den eindrucksvollen Glockenpalast mit seinen bunten Türmchen.


Das Internationale Wind- und Wassermühlenmuseum ist mit seinen Mühlen eine europaweit einzigartige Einrichtung. Auf dem rund 16 ha großen Freigelände des Museums befinden sich 16 originale oder originalgetreu nachgebaute Mühlen aus 12 verschiedenen Ländern. Auf dem gesamten Gelände sind auch historische Gegenstände des Mühlen- und Müllereiwesens ausgestellt. Der Gründer Horst Wrobel entdeckte 1965 bei einem Ausflug zum Elm in Abbenrode eine alte Bockwindmühle, die noch in Betrieb war und dier er im Maßstab 1:25 nachbaute. 1974 richtete er in Suhlendorf ein privates Museum mit seinen bis dahin nachgebauten Mühlenmodellen ein. 1977 kam es zu ersten Kontakten zum Landkreis Gifhorn. Im gleichen Jahr schlossen die beiden Parteien einen Erbbaurechtsvertrag über das künftige Museumsgelände.

Der Regen wurde immer stärker und ich verlor endgültig die Lust auf weitere Entdeckungen. In Gifhorn gibt es ja noch den wunderbaren Badesee, den Tankumsee, oder den Heidesee mit Gaststätte und Paddelmöglichkeit und natürlich die berühmte Gifhorner Schweiz in Winkel, die während der Heideblüte ein echter Genuß ist.
Etwas nördlich von Gifhorn befindet sich der kleine Ort Wilsche, hinter dem an einer langen Straße eine ganze Reihe von Campingplätzen mit netten Badeseen existieren. Auf dem Campingplatz Waldesruh hatte meine Mutter früher einen eigenen Platz mit Wohnwagen, wo wir als Kinder oft die Ferien verbrachten. Schöne Zeit! Ein bißchen Sonne wär echt nicht schlecht…
Doch ich radelte wieder zurück in Richtung Heimat, doch diesmal nicht über die B4. Ich war froh, daß ich die Hinfahrt überlebt hatte. Also nutzte ich den Radfernweg, der gut ausgeschildert war. Dort bog ich bald auf die Osttangente mit Radweg ein und rast bis nach Isenbüttel. Der Weg die Osttangente führt weiter nach Fallersleben und Wolfsburg, wohin es mich aber erst die Woche drauf verschlagen sollte.
Der Radfernweg wollte mich nach Calberlah weiter führen, was mir aber spanisch vorkam. Also fragte ich eine nette Familie, die mir den Weg über Wasbüttel und Ohnhorst (dort fand ich ein Schild mit der Aufschrift: Klein aber Ohnhorst!) nach Meine wies. Dort kannte ich mich ja wieder gut aus!
Von dort fuhr ich nach Abbesbüttel und Waggum, über Kralenriede ging´s ins Siegfriedviertel am Schulgarten vorbei, wo ich wieder auf die Hamburger Straße traf, die mich sicher nach Hause führte. Wo ich mich erst einmal ausgiebig abtrocknen mußte. Für heute war ich erledigt. Aber Gifhorn muß man einfach mal gesehen haben, egal bei welchem Wetter!
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