Fallersleben ist die Hoffmann-Stadt

ortsschild_fallersleben.pngWenn man an Wolfsburg denkt, denkt man an VW. Und an Industrie. Eine künstliche Stadt. Wer würde denn schon auf die Idee kommen, daß es dort so etwas wie Historie oder gar schönes Fachwerk zu bewundern gäbe? Eben. Doch Fallersleben hat all das, ist wunderschön. Doch jeder kennt Wolfsburg, niemand Fallersleben, schade. In Braunschweiger Fußballkreisen wird der erfolgreiche Bundesligist VFL Wolfsburg gerne ignoriert. Die Stadt Wolfsburg wird nicht selten als “Fallersleben-Ost” bezeichnet… Also auf nach Fallersleben!


Fallersleben_18.jpg Über die B248 gelangte ich mit dem Rad bei schönem Wetter über Wendhausen, Lehre, Flechtorf und Mörse nach Fallersleben. Dort stieß ich gleich auf den schönen Schloßpark mit großem Teich. Dazu ein nettes Fachwerkhaus, eine Kirche und das berühmte Fallerslebener Schloß. Die Enten quakten fröhlich, dieaufblühenden Blumen auf den Wiesen deuteten auf den anbrechendn Frühling hin. Viele Passanten ließen es sich bei diesem frühlingshaften Wetter nicht nehmen, einen kleinen Spaziergang in schöner Umgebung zu genießen.

Fallersleben_2.jpgFallersleben_6.jpgFallersleben_16.jpg Das ehemalige Fallerslebener Schloß ist heute das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum, in Andenken an den berühmtesten Bürger der Stadt. Deshalb auch Hoffmannstadt! Ein großer Turm und ein Brunnen machen den Reiz dieses ehrwürdigen Gebäudes aus. Das Museum selbst habe ich nicht besucht, bestaunte aber das freigelegten und verglasten Kellergewölbe des alten Schlosses. August Heinrich Hoffmann, bekannt als Hoffmann von Fallersleben (* 2. April 1798); † 19. Januar 1874 in Corvey) war Hochschullehrer für Germanistik und Dichter. Zur Unterscheidung von anderen Trägern des häufigen Familiennamens Hoffmann nahm er als Zusatz den Herkunftsnamen von Fallersleben an.

Fallersleben_14.jpg Die politische Bedeutung Hoffmanns bestand im Kampf für die bürgerlichen Freiheiten und in den Bestrebungen zur Schaffung eines geeinten, deutschen Vaterlandes. Letzteres geschah vor allem durch sein Deutschlandlied, das seinerzeit von Studenten und freiheitlich gesinnten Bürgern begeistert gesungen wurde. Seine Gedichte der Unpolitischen Lieder, welche ganz und gar nicht unpolitisch waren, griffen die staatlich-politischen Verhältnisse jener Zeit an, wie: Kleinstaaterei, Informationskontrolle, Pressezensur, Fürstenwillkür und die Allmacht von Polizei und Militär.

Fallersleben_8.jpgFallersleben_7.jpgFallersleben_15.jpg Im 12. Jahrhundert gehörte der Ort den Grafen von Wohldenberg. 1337 übergaben sie ihn samt dazu gehörenden Dörfern und dem Gebiet des Papenteiches an die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Fallersleben gehörte ab 1539 unter der Herrschaft von Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg 10 Jahre lang zum neu gegründeten Herzogtum Gifhorn, das 1549 aufgelöst wurde. Danach lebte seine Witwe Clara von Lauenburg bis zu ihrem Tod 1576 im Schloss Fallersleben. 1559 gab es eine richtige Befestigung von Fallersleben mit Wall und Graben sowie vier Stadttoren.

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Von hier aus war es nur noch ein Fußweg von zwei Minuten in die kleine, aber feine Innenstadt. Hatte ich schon erwähnt, daß ich an einem Sonntag unterwegs war? Jedenfalls war an diesem Sonntag Markt in Fallersleben. Ich jedoch kam zu spät, um mir vielleicht einen knackigen Apfel zu besorgen, denn die Marktleute waren bereits emsig damit beschäftigt, ihre Zelte abzubauen, einige Wagen fuhren schon ab.

Fallersleben_5.jpg Stattdessen bertrat ich ein kleine, dunkle Gasse, die von jahrhundertealtem Fachwerk umsäumt war, bis ich am Ende auf den Altstadtgrill traf. Hinter der Gasse befand sich eine Einkaufsstraße, ebenfalls mit schönen Häusern. Ein Hof mit Gemüseverkauf fand sich auch darunter. So etwas findet man in großen Citys nicht.

Fallersleben_19.jpgFallersleben_9.jpg Ich ging zurück zum Marktplatz und von da aus weiter durch die schöne und gepflegte Fußgängerzone. Ein bunter Maibaum ragte weit in die Höhe. Auch nicht gerade üblich für ein Innenstadt. Fallersleben hat die dörflichste Innenstadt, die ich je gesehen habe! Genau an der Stelle steht auch das sehr schön erhaltene Geburtshaus von Hoffmann von Fallersleben mit Gedenktafel. In dem prachtvollen Fachwerkhaus befindet sich heute die Steinklause. So viel war heute nicht los, aber dafür trat einem auch niemand auf die Füße.

Fallersleben_17.jpgFallersleben_13.jpgFallersleben_11.jpg Das war´s eigentlich schon, was ich von Fallersleben gesehen habe, ist ja wirklich nicht sehr groß. Aber dafür um so schöner. Sollte man mal gesehen haben. Wenn ich da an die Fußgängerzone von Wolfsburg denke… Apropos Wolfsburg: Da war ich anschließend auch noch. Wolfsburg feiert dieses Jahr seinen 70. Geburtstag, da ist Fallersleben aber um einige Jahrhunderte voraus, über 1060 Jahre alt!

Fallersleben_12.jpg Fallersleben war bis 1972 eine eigenständge Stadt und wurde zum Stadtteil Wolfsburgs degradiert. Was wohl die Fallerslebener darüber denken? In Fallersleben ist alles historisch gewachsen, Wolfsburg dagegen entstand auf dem Reißbrett. Da kann jeder selbst entscheiden, was ihm sympatischer ist. Natürlich ist Wolfsburg auf seine Weise auch sehr reizvoll. Aber hier ging es ja um Fallersleben, und deshalb schließe ich jetzt diesen Bericht!

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