Mich hätt´s fast nach Schladen verschlagen
Der Frühling naht, die Sonne scheint. Auch wenn´s mit dem Fahrrad noch ein wenig frisch ist. Aber was tut man nicht alles. Wie der werte Leser dem Titel entnehmen kann, bin ich ja gar nicht in Schladen gewesen, wollte da nicht mal hin. Aber es reimt sich so schön. Ich wollte ja nach Schöppenstedt, aber ich habe mich verfahren. Ich hätte mal lieber vorher ein wenig genauer auf die Karte schauen sollen, aber so war es auch ganz schön. Und deshalb kann ich hier auf dieser Seite wunderschöne Tierbilder aus Heiningen präsentieren! Ist doch auch was, oder?
Ich radelte also über Stöckheim nach Wolfenbüttel und dort bald wieder raus, dann hielt ich mich versehentlich links und landete in Halchter. Mal schauen, wohin der Weg mich bringen würde. Auf halbem Wege zwischen Halchter und Ohrum entdeckte ich linkerhand eine im strahlenden Sonnenlicht weiß funkelnde Windmühle. Ich bog in einen Feldweg ein, wo ich einen provisorisch konstruierten Hochstand entdeckte, den ich tollkühn bestieg. Die Aussicht war herrlich. Anschließend überwand ich einen Hügel, wo ich dicke Schnecken im Gras bewunderte und stand nun vor der Windmühle.
Jetzt konnte ich sehen, daß es sich hierbei um eine heruntergekommene und verlassene Windmühle handelte. Macht aber nichts, den aus der Ferne sieht sie immer noch schön aus. Ein gewaltiger Holzbalken lag neben der Mühle im Gras und war vor langer Zeit wohl Bestandteil des komplizierten Mühlenmechanismus. Da ich aber nich Don Quijote bin, stieg ich wieder auf mein altes Drahtesel-Schlachtroß und kämpfte mich durch bis Ohrum.
In Ohrum gab es nichts zu sehen. Jedenfalls nicht auf dem ersten Blick. Mögen mir die Ohrumer verzeihen. Die Landstraße von Halchter bis Heiningen besaß übrigens durchgehend einen befestigten Radweg, sehr beruhigend. Dieser wurde auch an diesem seit Langem mal wieder sonnigen Tag fleißig von vielen Radrennfahren, gewöhnlichen Radlern wie mich und Mofafahrern benutzt. Von Halchter aus sind es übrigens genau 8,3 Kilometer, eine schöne Entfernung, um Sonntags von Wolfenbüttel aus einmal mit der Familie auf dem Rad die vielen Tiere des am Südostrand des Oderwaldes gelegenen Klosterhofes Heiningen zu besuchen.

Schließlich durchquerte ich Dorstadt. Dort bewunderte ich auf dem Rückweg den Klosterhof, die mit Pflastersteinen befestigte Gasse hieß Rittergut. Ob hier einst Don Quijote residierte? Als ich vorsichtig durch das prächtige Tor hindurchlugte, sah ich einen schwarzen Hund, der langsam auf mich zu kam. Doch der verlor schnell das Interesse, hier herrscht wohl viel Durchgangsverkehr. Ein weiterer, aber wolliger Hund schlummerte im Halbschatten und zeigte nicht das geringste Interesse. Gut so. Auf dem Klosterhof standen zwei imposante Herrenhäuser, ein Mann pflegte sein Pferd.

Aber das geschah, wie gesagt, auf dem Rückweg. Hinter Dorstadt erschien auch schon bald Heiningen. Dort wurde gerade die Hauptstraße aufgerissen. Ich ließ das 716 Einwohner zählende Heiningen hinter mir und wollte noch die letzten fünf Kilometer nach Schladen bezwingen, wo es die berühmte Schlangenfarm gibt, die ich aus meiner Kindheit kenne. Doch hier endete leider der Radweg. Und da ich heute nicht in Stimmung auf ein risikoreiches Landstraßenabenteuer war, kehrte ich lieber um.

Ich spazierte an der alten Klostermauer entlang, auf dem dahinter gelegenen verwilderten Grundstück entdeckte ich eine an zwei Bäumen befestigte gemütliche Hängematte. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich ein süßer Tante-Emma-Laden. Der hieß wirklich so. Doch der hatte leider wegen Konfirmation geschlossen. Dann stand ich vor dem gemauerten Tor des Klosterhofes. Links befand sich der Eingang zur Klosterschänke mit den Klosterhähnchen. Leckere Grillhaxen soll es hier auch geben. Die rochen auch verdammt gut, aber mit vollem Bauch radelt es sich so schlecht.



Der Klosterhof wirkte sehr groß und ich machte mich auf, ihn zu erkunden. Einige verfallen wirkende Gebäudeteile verliehen dem Hof einen besonderen Charme. Geradezu waren dann die Ställe. Schweine, Ferkel, Rinder, Kälbchen, Ziegen schossen sofort auf mich zu als sie mich entdeckten und konnten es kaum abwarten, von mir fotografiert zu werden. Dies tat ich dann auch fleißig. Die waren alle sehr niedlich. Und schmecken tun sie bestimmt auch ganz gut. Dann war da noch eine neugierige schwarze Katze und eine weniger neugierige, weiß-gefleckte Katze. Und ein paar dumme Hühner.
Der rechte Teil des Hofes beherbergte die große ehemalige Stiftkirche St. Peter und Paul und weitere große Gebäude, die mich an eine Schule erinnerten. Ein bunt bemalter ausgedienter Trecker stand wie ein lustiges Denkmal landwirtschaftlicher Industrietechnik im Gras. Da der Trecker nicht mehr betriebsbereit war und ich mein Werkzeug nicht dabei hatte, stieg ich wieder auf mein Rad und machte mich auf den Heimweg.

So liebe Leute, jetzt mal ein Rat an alle Ausflugswütigen: Einfach mal wieder aufs Rad steigen und schön ins Blaue fahren. Die Karte bloß Zuhause lassen. Öfter mal was Neues erleben, ganz spontan. Das Leben ist eh schon geregelt genug. Ich jedenfalls habe für heute Schwein gehabt.
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