27. Oldtimer-Treffen in Braunschweig
Am diesjährigen Herrentag fand das 27. Oldtimertreffen auf dem Waggumer Flughafen statt. Elegante Klassiker für Männer mit Stil. Da mußte ich natürlich auch hin. Zugegeben, mit dem Rad. Ich spare noch auf einen alten Alfa Romeo. Also düste ich über Kralenriede in Richtung Flughafen. Auf dem Wege dahin hatte ich eine Horde besoffener Herren mit Bollerwagen zu umkurven. Aber das war ja vorherzusehen. Dann bog ich rechterhand in die Hermann-Blenk-Straße ein, wo ein riesiger Doppeldecker über meinen Kopf hinwegbrummte.
Es war viel los, die Sonne schien. Die Leute kamen mit dem Rad oder mit dem Auto, viele Oldtimer fuhren vor dem Gelände hin und her. Auch seltene Motorräder und Vespas parkten, wo es nur ging. 700 Teilnehmer und 10.000 Besucher durften die Veranstalter des Oldtimer-Treffens mit Fly-In zählen, neuer Besucher-Rekord. Geladen hatte der ADAC-Ortsclubs Motorsportclub der Polizei und der Braunschweiger Auto-Touren-Club. Die Veranstaltung hat sich übrigens als die größte ihrer Art in Norddeutschland fest etabliert. Das 28. Braunschweiger Oldtimer-Treffen und 4. Oldtimer-Fly-In wird am 1.Mai 2009 stattfinden, also vormerken! Ein echter Rosinen-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg wird auch dabei sein.


Ich selbst bin nicht auf dem Gelände gewesen, obwohl vier Euro Eintritt ja nicht gerade die Welt sind. Doch gelohnt hat es sich trotzdem. Ich konnte auch so mehr als genug wunderschöne alte Autos bestaunen, die wie aus einer längst vergangenen Welt herübergeschwebt waren. Warum werden heute eigentlich nur noch langweilige Autos gebaut, die alle gleich aussehen? In Waggum konnte man sehen, wie es besser geht. Früher hatten die Menschen noch Phantasie.

Besonders deutlich wird der Kontrast, wenn so ein schillerndes Objekt der Begierde neben all den langweiligen Blechkarossen heutiger Tage parkt. Oder bärtige Biker auf ihrer Harley die Straße für sich erobern. Und die Sonne funkelte so schön im Metall! Es war ein emsiges Treiben von autobegeisterten Menschen und tollen Autos, ein bißchen wie Karneval für Autos!

Dann konnte ich mich aber doch noch bis zum Flughafengebäude durchschlagen. Dieser charmante Nachkriegsbau mit seinem gläsernen Tower auf dem Dach hat mich schon als kleiner Junge beeindruckt. Daneben der Eingang zu den Terassen, die ich neugierig betrat. Dort kann man schön Kaffee trinken und den Flugzeugen beim Starten und Landen zuschauen.

Eine Treppe führt auf eine Plattform hinauf, auf der man einen prima Überblick über das gesamte Flughafengelände hat. Und ganz weit hinten ragte ein wenig der Kirchturm Waggums auf. Von dort konnte ich auch ganz gut die vielen Oldtimer von oben betrachten, die sich auf dem Gelände versammelt hatten. Ein schöner blauer Doppeldecker setzte zum Anflug an und erhob sich bald wieder in die Lüfte. Genauso ein Segelflugzeug. Und ein Hubschrauber, der seine Passagiere sicher entließ und neue einlud, um emsig weiter seine Kreise über Braunschweigs hübsche Altstadt zu ziehen.
Als mir von dem vielen Hin- und Hergefliege ein wenig schwindelig geworden war, verließ ich die ehrwürdigen Terassen mit dem Ziel, den berühmten Forschungsflughafen, der jetzt übrigens offiziell Braunschweig-Wolfsburg heißt, (Ich dachte, VW baut nur Autos? Aber in zehn Jahren können die auch fliegen) zur Hälfte zu umrunden. Ich betrat die Grasseler Straße und begab mich in Richtung Waggum.

Zur Rechten begann ein Feld mit anschließendem Waldstück, auf dem die Fahrbahn optisch mit Signallampen für anfliegende Flugzeuge verlängert ist. Ein Großplakat weist auf die Protesthaltung der Bürger gegen die geplante Fahrbahnverlängerung und die damit verbundene Waldvernichtung hin. Irgendwas ist ja immer. An dieser Stelle jedenfalls konnte ich jedenfalls ganz wunderbar die einfliegen Flugzeuge über meinem Kopf beobachten.
Ich bog dann nach links und betrat den Bolzplatz am Ortseingang. Dort konnte ich ganz aus der Nähe die anrauschenden Segelflugzeuge am Zaun verfolgen. Ein älterer Herr aus Peine mit Anhang fragte mich ein wenig über die tolle Show aus. Hätte er Internet, könnte er es hier nachlesen. Vielleicht hat er´s ja! Meine achtzigjährige Tante hat auch Laptop und Flatrate, da kennt die nichts. Ich muß sie mal fragen, was für tolle Schlitten sie früher gefahren hat.
Aha. Die Ü-30-Party gibt es also auch für Autos. Für meinen Teil sehne ich mich tatsächlich nach meinem Fiat 770 Jagst zurück, den ich 1980 mit viel lauter Musik über die nächtliche Autobahn jag(s)te. Den Beifahrersitz hatte ich alsbald ausgebaut, die Frauen mussten hinten sitzen und ihre schönen Beine lang machen. Klar, sie hatten dort einen Sicherheitsgurt, damit sie nicht während der Tour über mich herfallen konnten.