Manchmal möchte ich schon mit Dir…

ortsschild_wolters.png… auf das 21. Wolters Hoffest gehen! Denn da ist immer gute Stimmung! Unsere Zukunft ist die Tradition, so das Motto der ehemaligen Hofbrauerei, die nach Jahren nicht mehr im Besitz des internationalen Bierkonzerns InBev und endlich wieder ein privat geführter Betrieb ist, der eigenständig handeln kann. Deshalb gibt es nun auch wieder das berühmte Hoffest, das vor zwei Jahren aufgrund der kritischen wirtschaftlichen Situation nicht stattfinden konnte.

wolters_10.jpg Da Wolters letztes Jahr noch angeschlagen war und sich keine großen Sprünge erlauben konnte, mußten die Besucher sich mit einer durchschnittlichen Abba-Cover-Band begnügen. Doch dieses Jahr kam ein echter Star: der große Roland Kaiser live on stage in Braunschweig! Das Hoffest mit 70.000 Besuchern fand sowohl am Samstag als auch am Sonntag statt. Das große Highlight, der Auftritt des Altmeisters Roland Kaiser, war auch der Schlußpunkt des diesjährigen Hoffestes. Davor durften sich viele kleinere Bands bei heißen Temperaturen abrackern. Zum Beispiel Big Maggas, die härteste Boygroup der Welt. Die Maggas in ihren skurrilen Outfits und mit ihren originellen Coversongs durfte ich schon beim Landesturnfest bewundern. Am Samstag jedoch ließ der Sänger Roy Ostermann kurzerhand jemand anderen ans Mikro.

wolters_9.jpgNämlich einen Eintracht-Fan, der mit heiserer Stimme das Harz- und Heidelied anstimmte, die Hymne von Eintracht Braunschweig. Das hatte seinen besonderen Grund. Der letztjährige Zweitligaabsteiger Eintracht stand in dieser Saison vom ersten bis zum letzten Spieltag auf einem Abstiegsplatz. Bis auf gestern. Da schafften es die lange Zeit gescholtenen Spieler mit einem 2:0-Sieg über die Amateure von Borussia Dortmund erstmals den Sprung über den Strich und hielten so mit einem hart umkämpften 10. Platz die dritte Liga. Das mußte natürlich gefeiert werden.

wolters_15.jpgwolters_14.jpgwolters_3.jpgDoch zurück zum Fest. Das ehrwürdige Brauereigelände war natürlich wie immer gut gefüllt, besonders dann am Sonntag. Viele Bier- und Bratwurstbuden verwandelten das Betriebsgelände in ein Volksfest. Auf drei Bühnen wurde abwechselnd oder gleichzeitig Musik für jeden Geschmack geboten. An jeder Ecke türmten sich meterhoch die dunkelblauen Wolterskästen in die Höhe, als seien die Mauern mit ihnen tapeziert.

wolters_6.jpgwolters_7.jpgwolters_2.jpgDie große überdachte Bühne in der Verladehalle war der Mittelpunkt des Festes und größter Anziehungspunkt. Wer die Halle passierte, konnte sich dahinter an weiteren Buden sattessen, bis er zum Ausgang gelangte, wo hinterm Zaun das Feldschlößchen-Logo zu erkennen. Von dort aus ging es am Büssing-Hof vorbei, und wer mochte, konnte sich nun wieder auf die Wolfenbüttler Straße begeben, wo die güldenen Tore der Wolters-Brauerei den geneigten Besucher für eine weitere Runde übers Woltersfest empfingen.

wolters_8.jpgwolters_4.jpg Am Samstag abend dann zog ein großes Unwetter auf und Blitze flackerten bedrohlich. Der Platzregen ließ nicht lange auf sich warten. Ich selbst verließ dann lieber das Hoffest und besuchte eine nette andere Veranstaltung, über die ich hier aber nicht berichten möchte. Das Unwetter war natürlich nicht schön für das Woltersfest, aber dafür ging es am Sonntag bei wieder schönstem Sommerwetter fröhlich weiter.

wolters_11.jpg Ab 18 Uhr spielte das Pasadena Roof Orchestra, das schon für Robbie Williams geswingt hatte. Doch wir alle warteten selbstverständlich nur auf den großen Roland Kaiser, der dann pünktlich ganz lässig und souverän im eleganten Sakko und mit Sonnenbrille und einer Hand in der Hosentasche um 20 Uhr auf der Bühne stand. Er ist wahrscheinlich einer der wenigen Grandseigneurs der deutschen Schlagermusik, der sein Publikum siezt. Der Mann hat Stil. Freundlich und gut gelaunt kündigte er seine Evergreens an und erzählte die ein oder andere nette Anekdote.

wolters_12.jpg Roland Kaiser schimpfte auf die Klatschpresse, die ihm irgendeine Krankheit andichten wollte. Er versicherte seinem treuen Publikum jedoch, daß er so lange weiter singen werde, wie Fans vor der Bühne stehen. Mit galantem Understatement unterhielt er seine Gäste, auch wenn er sich selbst als Gast auf diesem Fest fühlte, wie er betonte. Was mich dann selbst überrascht hat: Roland Kaiser rockt! Seine Band mit Backgroundchor heizte dem Publikum ordentlich ein. Harte Gitarrenriffs ließen seine Welthits ganz neu erklingen.

wolters_5.jpgwolters_13.jpg Da ich jedoch zu viel vom guten frischgezapften Wolters genossen hatte (der Schwarze Herzog wurde allerdings nur aus Flaschen in die Becher abgefüllt), beschloß ich, das Weite zu suchen, als Roland Kaiser mit forderndem Ton sang: “Manchmal möchte ich schon mit Dir!” Ich mochte dann nicht mehr und verließ ein wenig wankend das rauschende Wolters Hoffest, wo die zahlreichen Roland Kaiser-Fans, auch die jüngeren, glückselig seine Ohrwürmer mitsangen. In meinem letzen Bier muß auch der Wurm drin gewesen sein

ähnliche Reportagen

Schreib einen Kommentar!

Du kannst diese XHTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>