Von Braunschweig mit dem Rad über die Dörfer nach Langenhagen-Kaltenweide

ortsschild_bs-h.pngDas wollte ich schon immer mal machen, mit dem Rad von Braunschweig nach Hannover fahren. Nun habe ich mir eine detailierte Radwander-Karte aus dem Internet gefischt und machte mich auf den Weg. Pünktlich zum Start der diesjährigen Tour de France, wo die Fahrer allerdings 198 Kilometer zurück legen durften, radelte ich an einem sonnigen Samstag Morgen los und begnügte mich mit läppischen 80 Kilometern. Ich begann um elf Uhr und endete pünktlich um 18 Uhr nach einer gemütlichen Spazierfahrt zum Junggesellenabschied eines guten Freundes in Langenhagen-Kaltenweide.


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Ich fuhr nicht, wie auf der Karte vorgeschlagen, über das innenstadtnahe Lehndorf, Lamme und Wedtlenstedt, sondern wählte die Route ausgehend vom Timmerlaher Busch in der Weststadt über den Raffturm auf die B1 mit sicherem Radweg über Denstorf bis zum Ortseingang von Vechelde, von wo ich rechts nach Vechelade abbog, womit ich wieder auf der vorgeschriebenen Route anlangte. Von Vechelade aus ging es über eine kleine Landstraße weiter ins beschauliche Wahle und von dort nach Sierße. Dort in der Nähe sieht man die berühmte kleine Kirche, die man gut aus dem Zug auf der Strecke Braunschweig-Hannover sehen kann.

bs_h_rad_14.jpgbs_h_rad_13.jpgVon Sierce aus radelte ich weiter auf die B65 nach Schmedenstedt. Dies war der am wenigsten angenehme Teil der ganzen Strecke, weil die Straße doch sehr befahren war. Nach fast zehn Minuten mußte ich nach links abbiegen mußte. Den Namen Schmedenstedt hatte ich zuvor nie gehört, aber ich fand es sehr schön dort. Viele kleine verwinkelte Gassen mit alten Häusern und Bauernhäusern. Wie in der Karte beschrieben, fuhr ich über den Sierßer Weg in die lange Smidestidte, die Dorfmarkstraße und zum Forsthaus. Dort kam ich das erste Mal ins Grübeln, weil mich der Weg nun über weite Felder und ein kleines Waldstückchen nach Groß Ilsede führen sollte. Aber war es auch der richtige Weg? Feldwege sind selten ausgeschildert…

bs_h_rad_1.jpgIch fragte eine Mutter am Wegesrand, deren Kinder gerade unter einen Zaun hindurchkrochen, ob dies der richtige Weg nach Groß Ilsede wäre. Er war es. Diese Frage sollte ich an diesem Tag noch des öfteren stellen müssen. Gerade, als ich den Schotterweg Richtung Wald fuhr und in diesen einbiegen wollte, traf ich in der Kurve auf eine Gruppe von vielleicht 50 Radfahrern, die offensichtlich den selben Weg wie ich gewält hatten. Da viele Kinder dabei waren, verringerte sich mein Tempo dramatisch, an dem schleichenden Drahtesel-Bollwerk kam ich nicht vorbei. Aber der Weg war nicht weit, und schon bald war ich in Groß Ilsede, mit 12.000 Einwohnern dem größten Ort, den ich auf meiner heutigen Tour besuchen sollte.

bs_h_rad_12.jpgbs_h_rad_11.jpgDort fuhr ich einmal komplett runter durch den Ort, holte mir Erfrischungsgetränke im Penny an der Ecke Dorfstraße und radelte weiter über die Bahngleise, bis ich auf das direkt angrenzende Ölsburg stieß, dessen lange Hauptstraße ich zügig bewältigte. Dann kam auch schon Groß-Bülten, und endlich landete ich in Groß-Solschen, wo ich zwei wunderschöne alte Kirchen entdeckte. In Klein-Solschen wußte ich nicht weiter. Die Landstraße führte mich nach Equord, wo ich aber gar nicht hinwollte. Also düste ich wieder zurück nach Groß-Solschen, wo ich einen netten Menschen traf, der mir erklärte, daß ich schon ganz richtig gewesen bin, aber eine Straße vorher links hätte einbiegen müssen. Das war der Stedumer Weg. Da wollte ich hin. Auf meiner Orientierungssuche entdeckte ich an der Gabelung einen Bauernhof, während Dutzende aufgescheuchter Hühner aus ihrem dunklen Stall auf mich zuschossen, der kampfesbereite Hahn vorneweg. Ich ging dann mal lieber.


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bs_h_rad_9.jpgVom winzigen Stedum, wo offensichtlich nur lauthals schreiende Ziegen wohnten, ging es weiter nach Bekum und nach Ohlum. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Autos gibt es hier noch nicht. Von Ohlum ging es weiter nach Harber, wo ich den Feldweg zuerst nicht ganz richtig wählte, ich hätte gleich nach rechts abbiegen müssen, so wurde ich auf dem sehr schlechten Weg ziemlich durchgeschüttelt. Dort befuhr ich den Lobker Weg auf dem Weg nach Groß Lobke. So groß war Groß Lobke nun auch wieder nicht, daß ich mich gleich weiter auf nach Wätzum machte. Die Strecke von Groß Lobke bis nach Bolzum bestand aus normalen, wenig befahrenen Landstraßen, mit bis zu zwei oder drei Kilometern Länge. Nach Wätzum kam Lühnde und dann endlich Bolzum.

bs_h_rad_8.jpgbs_h_rad_7.jpgbs_h_rad_4.jpgBolzum war toll. Dort entdeckte ich ein wunderschönes altes Rittergut, in dem am Abend eine große Veranstaltung stattfinden sollte. Auf den Straßen postierten sich bereits Feuerwehrleute, um den offensichtlich bald beginnenden Verkehrsstrom unter Kontrolle zu halten. Das Rittergut hatte einen großen Vorgarten, in dem allerhand schöne käuflich zu erwerbende Skulpturen zu bewundern waren. Dort hielt ich mich eine Weile auf, um Luft zu schnappen und Schnappschüsse zu machen. Aber schon bald ging es weiter nach Wehmingen, wo ich mich durch eine große Baustelle schlängeln mußte, und hatte schließlich wieder einige Kilometer Feldweg vor mir, bis ich endlich auf den lang ersehnten Mittelfeldkanal fuhr, der mich geradewegs nach Anderten bringen sollte.

bs_h_rad_3.jpgbs_h_rad_6.jpgbs_h_rad_5.jpgKurz vor Anderten stieß ich auf die eindrucksvolle Hindenburgschleuse, die für Besucher zugänglich ist und bei ihrer Einweihung 1928 die größte Binnenschleuse Europas war. Sehr spannend zu sehen, wie sich die Schleusen leeren und füllen, wie die Schiffe langsam die Schleuse passieren. Auch hier ließ ich einige Zeit verstreichen. Während es am Vormittag noch fast kühl gewesen ist, wurde es gegen Nachmittag richtig heiß. Aber ich hatte nur noch ungefähr eine Stunde Weg durch Hannover vor mir. Von Anderten fuhr ich eigentlich nur die Hauptstraße geradeaus durch Kirchrode und Kleefeld in Richtung Innenstadt. Am Pferdeturm bog ich rechts in Richtung Zoo, durchquerte die Bernadotte Allee und fuhr quer durch die List, meiner alten Heimat, bis ich die lange Vahrenwalder Straße erreicht hatte.

bs_h_rad_2.jpgbs_h_rad_15.jpgDiese führte mich direkt nach Langenhagen, wo ich hindurchfuhr, um Langenhagen-Kaltenweide zu erreichen, wo heute Abend ein lustiger Junggesellenabschied stattfinden sollte. Kaltenweide ist ein altes Dorf mit großen Bauernhöfen und einer Bockwindmühle. Ein junges Neubaugebiet hat die Einwohnerzahl des Ortes in den letzten Jahren dramatisch in die Höhe getrieben. Über den feucht-fröhlichen Abend hülle ich lieber den Mantel des Schweigens. Als ich am nächsten Morgen wieder frisch und munter aufs Rad stieg, um der Heimat entgegen zu radeln, beäugte ich ein wenig mit Sorgen erfüllt die dunklen Wolken über mir. In der List erwischte mich hinterlistig eine gewaltige Husche, doch ich konnte gerade noch so unter einen überdachten Hauseingang huschen, so daß mir nichts passierte.

Der weitere Rückweg war wenig ereignisreich, ich mußte auch nicht mehr nach den Weg fragen, Fotos hatte ich genug. Kurz vor Schmedenstedt jedoch wurde es wieder bedrohlicher. In Schmedenstedt dann begann es zwischen der Straße Duiwels Küke und der Kirche dermaßen zu pladdern, daß ich mich wieder gezwungen sah, einen Unterschlupf zu suchen. Den fand ich auch. Ein Autofahrer fragte mich nach einer Straße in Schmedenstedt. Ich kannte nur den Weg nach Hause. Nach einer halben Stunde wurde der Regen weniger, und ich konnte meine Tour fortsetzen. Hätte ich nicht eine halbe Stunde pausieren müssen, wäre meine Tour von Hannover nach Braunschweig nach viereinhalb Stunden zu Ende gewesen. In Braunschweig angekommen, schien schon wieder die Sonne.

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2 Kommentare für “Von Braunschweig mit dem Rad über die Dörfer nach Langenhagen-Kaltenweide”

  1. Hallo
    warum gibt es im internet unter ortschilder nicht Groß Lobke ?
    Das wäre toll wenn sie das noch hinzu fügen würden

  2. Welche Strecke ich mit dm Fahrrad in der Nähe von Braunschweig noch wärmstens empfehlen kann, ist der Heidjer-Pfad. Wunderschöne Lüneburger Heide gepaart mit super Radwegen.

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